piwik no script img

■ Mit Abwassersystemen auf du und duMarode Rohre

Berlin (taz) – Jedes fünfte westdeutsche Abwasserrohr ist altersschwach. Und im Osten der Republik bedürfen gar die Hälfte der Leitungen einer Erneuerung. Rund 300 Milliarden Mark werden die Kommunen in den nächsten Jahren für Kanalisation und Klärwerke ausgeben müssen, hat die Abwassertechnische Vereinigung (ATV) den zur Zeit in Hamburg tagenden Spezialisten prophezeit. Jeder Meter Rohr kostet im Durchschnitt 1.500 Mark. Eine teure Angelegenheit, vor allem für die Verbraucher.

Zum Beispiel Hamburg: Schon 150 Jahre haben die aus roten Backsteinen gemauerten Leitungen inzwischen hinter sich. Insbesondere an den Fugen tritt Wasser aus – und häufig, schlimmer noch, Grundwasser ein. Nicht nur sacken aus diesem Grund im Jahr an etwa zwanzig Stellen Straßen in der Hansestadt ein. Auch der ansonsten recht hohe Grundwasserspiegel sinkt. Trotzdem ist Hamburg mit etwa 10 bis 15 Prozent Wassereintritt noch vergleichsweise gut dran. In manchen maroden Leitungen findet sich genausoviel Regen- wie Abwasser. Dadurch werden die Kosten für die Wasseraufbereitung immens in die Höhe getrieben.

An vielen Stellen versuchen die Abwasserexperten, die Innenwände der Leitungen zuerst einmal mit Kunststoff zu verkleiden. „So aber werden die Durchmesser immer geringer – und vielerorts reichen die Kapazitäten schon heute nicht mehr aus“, faßt Gerd-Dietrich Ewert von der Hamburger Stadtentwässerung zusammen. Engere Besiedlung und höherer Wasserverbrauch lassen die Kanäle immer häufiger überfließen.

Deshalb hat die Industrie in den letzten Jahren Verfahren entwickelt, um neue Rohre zu verlegen, ohne daß die Straße aufgerissen werden muß. Ein sogenannter Schildvortrieb wühlt sich in die Erde hinein, reißt die alten Leitungen heraus, erweitert das Loch und stellt dann ein neues Rohr her. Großer Vorteil des Verfahrens: Es gibt wesentlich weniger Verbindungen zwischen einzelnen Rohren und damit weniger Schwachstellen, an denen Wasser aus- oder eintreten kann. Annette Jensen

Nur noch 390 – dann sind wir 50.000

Als Genossenschaft gehören wir unseren Leser:innen. Und unser Journalismus ist nicht nur 100 % konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 390 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen