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„Marine Le Pen geht im Präsidentschaftswahlkampf gleich mehrere Risiken ein“

Fabian Schroer

Marine Le Pen, Frontfrau des rechtsextremen ­Rassemblement National (RN), tritt doch bei Frankreichs Präsidentschaftswahl 2027 an, nachdem ein Gericht ihre Ämtersperre verkürzt hatte. Damit geht sie gleich mehrere Risiken ein.

Fabian Schroer ist Auslands­redakteur der taz.

Zum einen hatte Le Pen versprochen, keinen Wahlkampf mit elektronischer Fußfessel zu machen. Während des Revisionsverfahrens muss sie das zwar nicht. Verliert sie, könnte sich das ändern – Reisebeschränkungen würden Auftritte erschweren. Auch funktioniert ihre Lieblingsrolle, die des armen Opfers der politischen Justiz, nur noch bedingt. Der RN wäre da besser mit einer Märtyrerin gefahren, die aus dem Hintergrund ihren Nachfolger ­Jordan Bardella unterstützt hätte. Dem fällt sie jetzt in den Rücken. Dabei stand der beliebte 30-Jährige schon in den Startlöchern. In einer Stichwahl hätte er wohl größere Chancen bei Jungen und Konservativen. Und an ihm haftet nicht das Nazierbe von Le Pens den Holocaust leugnendem Vater, von dem sie sich seit Jahren zu lösen versucht.

Jetzt ist es an der zerstrittenen Linken, sich zusammenzuraufen und dem rassistischen RN eine wählbare Figur entgegenzusetzen – und auch Menschen abzuholen, die sich abgehängt fühlen.