Mannheimer Aktionsgruppe protestiert: Eisbären stürmen Kohlekraftwerk
Bei einer Demonstration gegen das geplante Kohlekraftwerk in Mannheim entern Umweltschützer das Gelände. ,
MANNHEIM taz In die Menge vor dem Kraftwerk kommt Bewegung. Arme zeigen über das Haupttor des Großkraftwerks Mannheim auf den schwarzen Berg aus Schlacke. Darauf: ein Eisbär, der - von der Polizei vorne unentdeckt - den Berg von hinten erklommen hat. Er rammt die Attac-Fahne in den Gipfel, schüttelt seine Tatzen, stampft und brüllt. "Eure Kohle killt das Klima" - das Transparent zu seinen Füßen ist eine Klageschrift. Seinen Artgenossen in der Arktis schmilzt das Eis unter den Füßen weg.
Drei Stunden zuvor, auf dem am Samstagmittag prall gefüllten Marktplatz von Mannheim-Neckarau, gehen Umweltorganisationen, Ärzte, Linkspartei und Grüne mit den Plänen der Mannheimer Stadtwerke (MVV) hart ins Gericht. Mit den Energiekonzernen EnBW und RWE wollen diese auf dem Gelände am Rhein ein weiteres Kohlekraftwerk bauen. Das würde jedes Jahr mehrere Millionen Tonnen Kohlendioxid ablassen und das "fossile System" der Stromerzeugung für weitere 40 Jahre zementieren, sagt Matthias Weyland von Bund für Umwelt und Naturschutz: "Wir müssen jetzt die Chance zum Umbau nutzen." Attac fordert die Enteignung der Stromkonzerne, ein Arzt warnt vor den Schadstoffemissionen. Jedes zehnte Mannheimer Kind leide bereits an chronischer Bronchitis.
Mehr als 600 Menschen starten in Richtung Kraftwerk - zunächst rückwärts, denn "Kohlekraft ist Rückschritt". Beim Kraftwerk setzen sich 70 mit weißen Overalls und Masken verkleidete DemonstrantInnen ab und klettern auf das Gelände. Bis zum Schlackeberg, den sie stürmen wollen, sind es noch 100 Meter.
"Wir waren unserem Ziel recht nahe", resümiert eine Vertreterin der "Aktionsgruppe Eisbär innen": "Leider waren die Polizisten ein bisschen schneller." Zwei Dutzend Uniformierte umzingeln die Weißpelze. Diese kündigen weitere "gewaltfreie Aktionen wie Bauplatzbesetzungen und Kohlezugblockaden" an. Schließlich hätten nicht nur die Eisbären, sondern auch Millionen Menschen "unter den verheerenden Folgen des Klimawandels zu leiden". ARMIN SIMON
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