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Mandela und de Klerk ohne Opposition?

■ Nach ersten Wahlergebnissen in Südafrika können ANC und Nationale Partei möglicherweise allein regieren / Schleppende Auszählung wird beschleunigt

Johannesburg (taz) – Nelson Mandelas Afrikanischer Nationalkongreß (ANC) befindet sich nach den ersten demokratischen und allgemeinen Wahlen in der Geschichte des Landes wie erwartet auf der Siegerstraße. Die Nationale Partei (NP) des bisher amtierenden Staatsoberhaupts Frederik W. de Klerk landet wie erwartet auf dem zweiten Rang. Nach den bisher vorliegenden Teilergebnissen und vorsichtigen Prognosen schneidet die Partei aber weit besser als erwartet ab, so daß es im „Neuen Südafrika“ kaum eine nennenswerte Opposition geben wird. Der ANC mit prognostizierten 54 bis 57 Prozent und die NP mit etwa 28 bis 33 Prozent werden danach den mit Abstand größten Teil der Stimmen auf sich vereinigen und zusammen die Regierung der Nationalen Einheit bilden. Alle anderen Parteien scheinen bislang unter 5 Prozent zu bleiben – auch Inkatha und die rechtsextreme „Freiheitsfront“. Sie haben damit den Einzug in die Regierung verpaßt, kommen aber ins Parlament.

Dikgang Moseneke, der stellvertretende Vorsitzende des Unabhängigen Wahlrats (IEC), erklärte gestern nachmittag, er rechne mit einem Abschluß des überwiegenden Teils der Stimmenzählung am Montag abend. Bei dem Schneckentempo, das am Sonntag morgen herrschte, so hatten findige Südafrikaner errechnet, hätte die Auszählung acht Jahre gedauert. Die Beschleunigung wurde möglich, nachdem der Wahlrat am Samstag abend beschlossen hatte, auf eine Überprüfung und Registrierung der gefüllten Urnen zu verzichten. Die Stimmenauswertung, von einem Rundfunksender als „langsamste Auszählung in der Geschichte der Menschheit“ bezeichnet, komplizierte sich aber auch wegen der organisatorischen Schwierigkeiten, die es während des Urnengangs gab. So leerten manche Wahlbeamte die gefüllten Urnen in Blechbehälter, weil die Urnen wegen des Wähleransturms überfüllt waren.

Zumindest im Osten von Johannesburg scheint der Wahlrat einem Grund für das Durcheinander auf die Spur gekommen zu sein. In vier Lagerhallen wurden Hunderttausende von Stimmzetteln entdeckt. Am ersten Wahltag hatte es deshalb in den Townships Kathlehong und Tokoza anfangs keine Wahl gegeben. Die Besitzer sind inzwischen vom Wahlrat vorgeladen worden.

Trotz der wenigen vorliegenden Ergebnisse steht schon fest, daß der ANC in der Provinz „Western Cape“ geschlagen wurde. Polizeiminister Hernus Kriel, Spitzenkandidat der Nationalen Partei, siegte dort mit überzeugendem Vorsprung, weil die dort lebenden Coloureds dem ANC den Rücken wandten. In Natal samt dem ehemaligen Homeland KwaZulu wagt bisher noch niemand Prognosen. Willi Germund

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