Malis Weltkulturerbe in Gefahr: In der Sahara ist es viel zu heiß
Greift jemand gegen die Islamisten ein, die in Timbuktu Kulturgüter zerstören? „Nicht heute oder morgen“, heißt es dazu bei Westafrikas Regionalorganisation Ecowas.
![](https://taz.de/picture/205518/14/mailtimbuk.jpg)
ABUJA taz | Handeln wollen die Staaten Westafrikas in Mali unbedingt, um die Einheit des riesigen Wüstenstaates wiederherzustellen. Die Frage ist bloß, wann. Schon vor Wochen beschloss die Regionalorganisation Ecowas (Westafrikanische Wirtschaftsgemeinschaft) im Prinzip, Soldaten nach Mali zu schicken, aber davon ist nichts zu sehen.
Sunny Ugoh, Sprecher der Ecowas an ihrem Sitz in Nigerias Hauptstadt Abuja, kann kein Datum nennen, an dem möglicherweise Soldaten in den von Islamisten beherrschten Norden Malis geschickt werden. „Wir sprechen nicht über heute oder morgen. Wir sprechen über einen Prozess, für den wir bereits wichtige Schritte eingeleitet haben“, sagt er und stellt klar: „Im Moment wäre es naiv, Friedenstruppen zu schicken. Wir brauchen das Mandat des UN-Sicherheitsrats.“ Dann könnten Ecowas-Einheiten Hand in Hand mit Malis Armee kämpfen.
Die Zeit drängt. Am vergangenen Wochenende zerstörte die islamistische Gruppe Ansar Dine, die seit Anfang April immer weitere Teile des Nordens von Mali unter ihre Kontrolle gebracht hat, mindestens sieben heilige Grabstätten in der Stadt Timbuktu. Die Welt ist auch Tage später noch entsetzt darüber, denn die Mausoleen gehören zum Weltkulturerbe der Unesco. Es sind die Heiligtümer der historischen Wüstenstadt, die früher auch viele Touristen anzogen, auf die die malische Wirtschaft angewiesen ist. Doch Ansar Dine ist sich keiner Schuld bewusst.
Antipersonenminen rings um Gao
Das gilt wohl auch für neue besorgniserregende Meldungen, die die größte nordmalische Stadt Gao betreffen: Islamisten sollen rund um die Stadt Antipersonenminen ausgelegt haben. Malische Zeitungen berichten, dass die Einwohner darüber per Radio informiert worden seien. Die Minen sollen die Tuareg-Separatisten der Nationalen Befreiungsbewegung von Azawad (MNLA) von Gao fernhalten, von wo sie vor einer Woche vertrieben wurden. Die MNLA, deren vorrangiges Ziel stets ein eigener Tuareg-Staat war, aber nie die Islamisierung, hat inzwischen die Kontrolle über die Städte Nordmalis komplett verloren. Mittlerweile sollen 300.000 Menschen aus der Region geflohen sein.
„Die Lage ist extrem schwierig“, gibt Ecowas-Sprecher Sunny Ugoh zu. Trotzdem tue die Ecowas all das, wozu sie in der Lage sei. In den kommenden Tagen soll eine Sondierungsmission nach Mali geschickt werden, um eine mögliche Truppenentsendung vorzubereiten. Wichtig sei außerdem, weiterhin einen Dialog anzubieten. Federführend bei all dem ist Burkina Fasos Präsident Blaise Compaoré.
Über Ouagadougou wird auf Minigipfel diskutiert
Weiter diskutieren wollen die westafrikanischen Länder am kommenden Samstag bei einem Minigipfel in Burkina Fasos Hauptstadt Ouagadougou. An dem Treffen sollen auch Malis Übergangsregierung sowie Vertreter der Zivilgesellschaft teilnehmen. Ziel ist es, endlich eine einheitliche Strategie zu finden und vielleicht eine neue Regierung für Mali zu bilden, die dann förmlich um eine regionale Militärintervention bitten könnte. Denn die amtierende Übergangsregierung hat sich vor allem mit Streitigkeiten um Personen und Ämter sowie einem Machtkampf mit dem Militär hervorgetan, aber nicht mit praktikablen Lösungsansätzen.
In Nigerias Hauptstadt Abuja kursiert unterdessen die Sorge, dass sich ein Ecowas-Einsatz in Mali auch auf Nigeria negativ auswirken könnte. Angeblich soll die islamistische Sekte Boko Haram, die regelmäßig Anschläge in Nigeria verübt, gedroht haben, die Ecowas anzugreifen, falls diese in Mali einmarschiert. „Das kann ich nicht ernst nehmen“, kommentiert Ugoh. Allerdings sei klar: Nicht nur Mali werde von Islamisten destabilisiert, sondern auch Nigeria.
Am späten Dienstagabend kam es in Nigerias Hauptstadt Abuja wieder einmal zu einer Explosion. Vor einem Geschäftskomplex im Stadtteil Wuse explodierte eine Bombe in einem Mülleimer, die nach Polizeiangaben jedoch niemanden verletzte. Es war der zweite Anschlag dieser Art innerhalb von zwölf Tagen: Am vorletzten Wochenende explodierte ein Sprengsatz vor einem Nachtclub.
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