: Magische Geschichten vom Rad
■ Neues Tanzsolo von Cornelia Ölund mit Uwe Schad am Cello im monsun Theater
mit Uwe Schade am Cello im monsun Theater
Eine Frau und ein Cellist. Am Anfang nur der Ton beim Zupfen einer Saite. Cornelia Ölund beginnt zu tanzen. Langsam entwickelt sie eine Bewegungsabfolge, die den Aufprall klassischen Balletts, durchzogen von modernem Ausdruckstanz, mit höfischem Getrippel inszeniert. Magisch bringt sie die Räder ins Rollen.
Eine Wagenachse, wie man sie von alten Kutschen kennt, dreht sich und dreht sich und wird der Tänzerin zum Partner. Ein Spiel um Schwer- und Mittelpunkt entsteht. Gleichgewicht wird geübt, illustriert von Cello-Klängen. Zwischen Zirkusakrobatik, autistischem Kinderspiel und automatenhaften Gebärden einer Puppe tanzt Cornelia Ölund die Geschichte vom Rad. Abrupt hat die immer dann ein Ende, wenn sich Bewegungsformationen mit wachsendem Tempo im Wiederholungszwang ad absurdum geführt haben. Dann ist dieses Spiel zu Ende. Die Tänzerin rennt gegen Wände, bemißt den eben noch poetisch geladenen Raum mit Händen und Füßen, stemmt sich in einen Türrahmen, läßt wieder los und erfindet in wildem Taumel ein neues Spiel. Auf dem Rad sitzen, mit den Rädern rollen wie ein Rollstuhlfahrer, sich überrollen lassen und stop.
Schließlich montiert Ölund noch ein Brett zwischen die Räder und benutzt es als Wippe oder als Rutsche. Dabei gibt's Krach und aus ist der schöne Zauber. Die Tänzerin wirft sich zu Boden, krümmt sich und fällt in die Brücke, einer typischen Gebärde für Hysterikerinnen, wollte man Freud heute noch Glauben schenken.
Dann wieder setzt sie sich auf die Achse, treibt mit winzigen Schritten zur Fahrt an und spielt zur asiatisch beeinflußten Musik des Cellisten Uwe Schade eine diszipliniert aufrecht sitzende Frau, puppenhaft und chinesisch anmutend in ihrem roten Seidenhemd. In einer anderen Szene führt Ölund das Weggehen vor. Sie nimmt den Koffer, schleicht sich auf Zehenspitzen weg und tritt beiseite.
Wieder eine Unterbrechung: Nun verzerrt ein Gegenstand die Situation. Aus dem Koffer steigt elektronisches Gemurmel zum grellen Licht einer Neonröhre. Das endgültige Aus bringt eine Collage aus Wortfetzen übers Kirschenessen und den Schwarzwald. Tänzerin und Cellist sprechen simultan und achtzig Goldstücke rollen über die Schräge, die eben noch eine Wippe war. Cornelia Ölund läßt ihr Publikum zurück mit den Bildern, die sie auslöste. Katrin Meyer
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