Märkische Sozialdemokraten tauschen aus: Fraktionschef muss gehen

Bei der SPD im Brandenburger Landtag wird der einstige Hoffnungsträger entthront: Auf Erik Stohn (37) folgt Daniel Keller (35).

Das Bild zeigt Erik Stohn, den nicht wieder gewählten Vorsitzenden der SPD-Landtagsfraktion in Potsdam.

Musste seinen Posten als SPD-Fraktionschef im Brandenburger Landtag räumen: Erik Stohn Foto: dpa

POTSDAM taz | Im Schatten der vieles überragenden Koalitionsverhandlungen auf Bundesebene – und auch im benachbarten Berlin – tut sich Bemerkenswertes an der Spitze der größten Fraktion im Brandenburger Landtag: Nur zwei Jahre nach seiner Wahl zum Fraktionschef der 25 SPD-Abgeordneten trat Erik Stohn am Donnerstag nicht zur Wiederwahl an, und das nicht freiwillig. Wenige Stunden vor der Kür seines Nachfolgers Daniel Keller, bisher parlamentarischer Geschäftsführer und Nummer 2 in der Fraktion, offenbarte Stohn in der Märkischen Allgemeinen: „Man empfindet das schon als Verrat, wenn Menschen, die man sehr gefördert hat, einem dann in den Rücken fallen.“ Keller warf er „rücksichtsloses Beiseiteschieben“ vor.

Stohn, erst 37 Jahre alt, galt früher als das aufstrebende, frische Gesicht der Brandenburger SPD. Er hatte, gefördert von Ministerpräsident und SPD-Landeschef Dietmar Woidke, 2017 das Amt des Generalsekretärs übernommen und wurde im Herbst 2019 Fraktionsvorsitzender. Schon zu Beginn dieses Jahres aber war über ihn zu lesen, er gelte als das große Problem der SPD. Er mache eine schlechte Figur, und es vergehe kaum eine Landtagssitzung, in der er nicht die schwächste Rede halte.

Der Neue ist erst seit 2019 im Landtag

Sein Vorgänger, Mike Bischoff, hatte das Amt 2019 nach nur drei Jahren mit 54 aufgegeben und das damit begründet, er wolle seine Gesundheit nicht aufs Spiel setzen und neuen Köpfen eine Chance geben. Stohns Nachfolger Keller ist nun der fünfte Chef der SPD-Fraktion seit 2013 – ein Amtsinhaber wurde Minister, ein anderer verstarb. Keller ist erst seit 2019 Mitglied des Landtags. Neben seinem Job als Parlamentarischer Geschäftsführer führt er als Co-Chef auch die SPD-Fraktion in der Potsdamer Stadtverordnetenversammlung und ist Präsident des Deutschen Judo-Bundes.

Auch im Berliner Abgeordnetenhaus hatte es in der SPD-Fraktion in der jüngeren Vergangenheit einen Versuch gegeben, den Fraktionschef abzusetzen. Ende 2017 wandten sich 14 Abgeordnete in einem öffentlich gewordenen Brandbrief an den seit 2011 amtierenden Vorsitzenden Raed Saleh. Doch das waren in der 38-köpfigen Fraktion zu wenige – das Aufbegehren hatte zwar Folgen, aber nicht für Saleh: Zahlreiche seiner damaligen Kritiker werden der künftigen Fraktion nicht mehr angehören, wenn sich das neu gewählte Parlament am nächsten Donnerstag erstmals trifft.

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