MTV ohne "Music Television": Hier spielt nie Musik
Vor 30 Jahren erfand MTV das Musikfernsehen - jetzt streichen die USA die Unterzeile "Music Television" aus dem Senderlogo. Einfach so.
Ein bisschen ist es so wie bei einer Scheidung: Zwei Partner, die sich irgendwann mal echt gut verstanden haben, entwickeln sich in unterschiedliche Richtungen, orientieren sich neu und gehen auch mal fremd. Es folgt die Trennung, und am Schluss wird der gemeinsame Name abgelegt, als wäre nie etwas gewesen.
MTV, der Sender, der vor fast 30 Jahren das Musikfernsehen erfand, hat sich schon lange entfremdet von seinem Partner: der Musik. Während früher nonstop Musikvideos liefen, sind es heute Shows und Soaps, in denen Rapper alte Autos aufmotzen und aufgedrehte College-Kids miteinander flirten.
Jetzt hat MTV USA den letzten Schritt getan und die Trennung endgültig gemacht: "Music Television" stand früher fett unter dem legendären Logo des Senders. Seit 1981, als MTV zum ersten Mal ausgestrahlt wurde, hat sich daran nie etwas geändert. Doch seit Mitte dieser Woche ist in den USA die Unterzeile weg. Einfach so, als ob nie etwas gewesen wäre.
Tina Exarhos, Marketingchefin des Senders in den USA, erklärte der Los Angeles Times, dass die Zuschauer MTV heute nicht mehr als "Music Television" sehen. Und Marie-Blanche Stössinger, Sprecherin von MTV Europa, erklärte, man "befürworte die kreative Weiterentwicklung".
Außerhalb der USA wird das neue, abgespeckte Logo des Senders ab 2011 eingeführt. Vom Musiksender MTV bleibt dann nur noch TV. Davon gibt es eigentlich schon genug, aber wahrscheinlich sind Trennungen manchmal notwendig und unausweichlich. Etwas Schönes sind sie trotzdem nie.
Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen
meistkommentiert