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Lodenmantelgeschwader in Aktion

■ Streit um Bundeswehrpräsenz bei der 20.-Juli-Feier / Druck konservativer Verbände auf die Gedenkausstellung

Berlin (taz/dpa/AP/epd) – Der Streit um die Feierlichkeiten bei der Gedenkfeier zum 50. Jahrestag des Attentats auf Hitler am 20. Juli in Berlin eskaliert. Der wissenschaftliche Leiter der ständigen Ausstellung der Gedenkstätte Deutscher Widerstand in Berlin, Peter Steinbach, bezeichnete das geplante militärische Spektakel mit 140 Bundeswehrsoldaten als „makaber“. Vielen Angehörigen gehe es unter die Haut, wenn an der Hinrichtungsstätte von Widerstandskämpfern 140 Soldaten der Bundeswehr ihre Gewehre präsentierten.

Steinbach beklagte neben dem von Bundesverteidigungsminister Volker Rühe (CDU) gewünschten Aufmarsch auch den „massiven Druck“ verschiedener Gruppen, die die Bundesregierung gebeten hätten, Ausstellungsgegenstände aus der Gedenkstätte entfernen zu lassen. Diesem „Lodenmantelgeschwader“, darunter auch der Heimkehrerverband und die Stalingrad-Kämpfer, geht es um Exponate, die den Widerstand des 1943 in der Sowjetunion gegründeten „Nationalkomitees Freies Deutschland“ (NKFD) würdigen. Der Enkel des Attentäters Oberst Claus Graf Schenk von Stauffenberg verlangt, kommunistische Ausstellungsstücke zu beseitigen. Sonst werde er der Feier fernbleiben. Austellungschef Steinbach drohte daraufhin seinerseits mit Rücktritt. Nun ist am 21. Juli eine Diskussion des Berliner Kultursenators mit Franz von Stauffenberg geplant.

Die SPD hatte bereits seit längerem die Zeremonie als Wahlkampfveranstaltung des Bundeskanzlers gegeißelt. Außerdem forderte sie neben Helmut Kohl (CDU) und Berlins Regierenden Bürgermeister Diepgen (CDU) einen eigenen Redner – oder aber den neuen Präsidenten Roman Herzog (CDU) als Hauptredner.

Das Kanzleramt wies die Kritik führender Sozialdemokraten gestern zurück und ließ die SPD nach ihren Herzog-Verrissen erneut als Nörgelpartei dastehen: Kanzleramtsminister Friedrich Bohl (CDU) sagte, daß die SPD keine offizielle Bitte um Aufnahme in die Rednerliste an das Kanzleramt gerichtet habe. Außerdem sei in den vergangenen Jahren bei den Gedenkfeiern stets auf parteipolitische Ausgewogenheit geachtet worden. Das Bundespräsidialamt teilte mit, daß der neue Präsident Roman Herzog (CDU) zu keiner Zeit als Hauptredner vorgesehen gewesen sei. Der Präsident werde, wie üblich, am Abend des 20. Juli einen Empfang für die Widerstandsverbände und Angehörigen geben. kotte

Kommentar Seite 10

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