piwik no script img

Lizenz zum Abschieben

■ Bundesgrenzschutz vergibt exklusive Abschieberechte an Ghana Airways

Berlin (taz) — Nach dem Tod des nigerianischen Asylbewerbers Kola Bankole, der – vom Bundesgrenzschutz gefesselt und mit Beruhigungsmitteln vollgepumpt – bei seiner gewaltsamen Abschiebung auf dem Frankfurter Flughafen starb, wollen sich die deutschen Behörden jetzt offenbar aus ihrer Verantwortung für Abschiebeaktionen herausziehen. Bei zwangsweisen Rücktransporten nach Ghana und Nigeria soll künftig die Fluglinie Ghana Airways mit eigenem Sicherheitspersonal dafür sorgen, daß sich Ausländer nicht mehr gegen ihre „Verschubung“ wehren. Bisher hatten mitfliegende deutsche Beamte diese Aufgabe übernommen.

Künftig, so geht jetzt aus einem Rundschreiben der Grenzschutzdirektion Koblenz an alle BGS- Dienststellen hervor, übernimmt die Ghana Airways „die ansonsten vom Bundesgrenzschutz zu stellende Sicherheitsbegleitung rückzuführender Personen“. Um eine „erfolgreiche Durchführung“ dieser Vereinbarung zu gewährleisten, sollen die Ausländerbehörden bundesweit deshalb nicht nur die Personalien der Abzuschiebenden mitteilen, sondern auch „Größe und Gewicht des Schüblings“ und den „Grund für Erfordernis der Sicherheitsbegleitung“. Aus diesen Informationen will die Fluglinie offenbar die mögliche Gefährdung durch den unfreiwilligen Passagier einkalkulieren. Anhand von dessen Körpergröße und Gewicht können die pysische Stärke des Sicherheitspersonals und die Dosierung der Beruhigungsmittel für den widerspenstigen Fluggast bemessen werden.

Die neue Vereinbarung ist für beide Seiten ein guter deal: für die deutschen Behörden, da sie – so O-Ton BGS-Rundschreiben – „für den Bund eine große Personal- und Kostenersparnis bringt“. Gleichzeitig entledigen sich Grenzschutz und Polizei damit ihrer Verantwortung für mögliche Zwischenfälle und die körperliche Unversehrtheit der Abzuschiebenden. Der staatlichen Fluglinie Ghana Airways sichert das Abkommen einen guten Kunden. Vera Gaserow

Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 180 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen