: Live aus Lützerath
Der letzte Stuhlkreis des letzten Zufahrtswegs
Schon Jim Morrison von den Doors wusste: Licht aus, wenn die Musik vorbei ist! In Lützerath und Umgebung hat sich nach Räumung und Umfriedung des Orts am Donnerstagnachmittag der letzte Stuhlkreis der letzten Protestcamper gebildet. Oder, wie es die dpa viel besser schildert: „Auf dem Zufahrtsweg in den Braunkohleort hat die Polizei am Donnerstag mehrere Dutzend Teilnehmer einer Demonstration eingekreist, darunter die Fridays-for-Future-Aktivistin Luisa Neubauer und Greenpeace-Vorstand Martin Kaiser.“ Ob die Stuhlkreisaktivistinnen und Vorstandsaktivisten sich jeweils kurz einander und auch der Polizei vorgestellt haben, wird aus der Meldung nicht ganz klar. Überliefert ist nur ein letzter Satz der letzten Vorsitzenden: „Wir wollen hier sitzenbleiben, bis wir weggetragen werden“, so Luisa Neubauer, die mit irgendwem vom Fernsehen zusammen ist. Ehrlich, wir von der Wahrheit denken das auch oft. Einfach sitzenbleiben. Wie in der Schule, so auf der ganzen Arbeit. Sitzenbleiben, bis ein freundlicher Bürger in Uniform daherkommt und uns wegträgt. Oh, einmal noch weggetragen werden! Da hängen wie ein Sandsack und verladen werden in ein beheiztes, fossil betriebenes Fahrzeug! Oh, weggefahren werden in eine unbekannte Zukunft!
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen