Linkes Jugendprojekt in Berlin: Hoffnung für die Potse-Jugend

Bausenator Scheel (Linke) verspricht dem linken Jugendprojekt Potse Räume im Flughafen Tempelhof. Die Räumung am 19. Mai ist nicht vom Tisch.

So sieht ein Freiraum für Jugendkultur aus: Die Potse in Schöneberg Foto: imago

BERLIN taz | Zweieinhalb Wochen bevor der Gerichtsvollzieher anrücken soll, besteht nun doch noch Hoffnung für das seit über zwei Jahren besetzte autonome Jugendzentrum Potse in Schöneberg. Der Bausenator hat dem seit 50 Jahren bestehenden Jugendprojekt Räume in der Zollgarage des ehemaligen Flughafens Tempelhof angeboten. Lediglich Sanitäreinrichtungen müssten dort noch eingebaut werden – binnen vier Wochen könne die Potse dort einziehen. Die Räume umfassen 400 Quadratmeter und liegen zentral in der Stadt.

Senator Scheel (Linke), selbst ehemals Punk, sprach sich im RBB für den Erhalt des Jugendprojekts aus, das häufig Punk-Konzerte für umsonst veranstaltet: „Ich kann den Frust nachvollziehen. Mir ist daran gelegen, dass die Potse einen Ort findet.“ Er gab vor der Kamera der „Abendschau“ sogar sein Wort dafür, dass die Jugendlichen dort unterkommen können: „Wir tun alles dafür.“

Die Jugendlichen aus der Potse können es sich vorstellen, in die Zollgarage zu ziehen, allerdings seien noch abschließend ein paar Fragen zu klären, wie Sprecher Paul am Sonntag der taz sagte. Offen seien etwa die Fragen nach Lärmschutz und Sanitäreinrichtungen, aber ebenso wünschten sich die Jugendlichen eine vertragliche Zusicherung, dass das Projekt nicht auf der Straße landet: „Langfristig muss sichergestellt werden, dass wir nicht in fünf Jahren wieder rausfliegen.“

Man sei vorsichtig damit, Räume zu verlassen, ohne einen Fuß woanders drin zu haben – „wir haben im Drugstore gesehen, dass das landeseigene Unternehmen Gewobag über zwei Jahre lang den Einzug verzögert hat, deswegen ist unser Vertrauen etwas beschädigt“, so der Sprecher.

Zwei Jahre Hängepartie

Das Drugstore ist das große Schwesterprojekt der Potse und hatte nach Auslaufen des Vertrags Schlüssel und Räume freiwillig abgegeben – mit der zeitnahen Aussicht auf Ersatzräume, die allerdings bis heute nicht bezugsfertig sind. Nach einer zweijährigen Hängepartie zieht das Drugstore jetzt zunächst ins Rockhaus in Lichtenberg.

Die Jugendlichen der Potse gehen davon aus, dass der Bezirk bei ihnen an der Räumung festhalten wird, und befürchten eine Eskalation bei einer möglichen Räumung am 19. Mai mit einem gewaltsamen Polizeieinsatz. Es wäre nach dem Syndikat, der Liebig 34 und der Meuterei das vierte linke Projekt, das im vergangenen Jahr unter der rot-rot-grünen Koalition geräumt würde.

Ob es allerdings wirklich so weit kommen muss, ist noch nicht ausgemacht. Der Jugendbezirksstadtrat Oliver Schworck (SPD) sagte am Sonntag der taz, dass er kurzfristig einem Mietvertrag zustimmen wolle. Allerdings sei der vom Bausenator Scheel vorgelegte Entwurf noch unvollständig, es fehlten Angaben zur Miethöhe und der Quadratmeterzahl. Schworck sagte: „Ich würde gerne diese Woche einen Mietvertrag unterschreiben. Aber das Jugendzentrum muss dann, wenn dieser Mietvertrag vorliegt, das Angebot annehmen und endlich die besetzten Räume verlassen. Deswegen halten wir weiter am Räumungstitel fest – für den Fall, dass die Potse sich weiter weigert, die Räume zu verlassen.“

Die Potse und ein linkes Unterstützungsbündnis, das bereits am vergangenen Donnerstag vor der Parteizentrale der Linken für einen Erhalt der Potse demonstriert hatte, planen weitere Aktionen: Am 9. Mai soll es eine Fahrraddemo und ein Konzert vor dem Schöneberger Rathaus geben. Auch für den 15. Mai wird, gemeinsam mit dem in Mitte ebenfalls bedrohten Köpi-Bauwagenplatz, mobilisiert für eine Demo.

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