Lieder-Verbot in Saudi-Arabien: Religionsfeind Schlumpf

Die saudi-arabische Religionspolizei sprengt eine Schulaufführung, in der die Kinder eine musikalische Darbietung der Schlümpfe präsentieren.

Symbol der Freiheit von religiöser Unterdrückung: Die Schlümpfe. Bild: dpa

RIAD/BERLIN taz | Seit Jahrhunderten pflegen diverse Vertreter der Weltreligionen mit großer Energie das Image fanatischer Spaßbremsen. Speiseregeln, Musikvorschriften, Bildernormen und Beischlafgebote füllen die Werke der angebeteten Propheten und Götter. Die konkrete Umsetzung hängt im Regelfalle vom Auslegungswillen des jeweiligen weltlichen Personals und dem Grad der Rebellionswilligkeit der Gläubigen ab.

So können Anhänger der selben Religion sehr unterschiedliche Lebensentwürfe pflegen und so den Eindruck einer Pluralität innerhalb ihrer Glaubensgemeinschaft erwecken. Das überrascht Außenstehende meistens, sind die Bilder anderer Kulturen und Religionen doch oft von Vorurteilen geprägt, deren Fundament nur selten von überprüfbaren Fakten ins Wanken gebracht wird.

Die besonders observanten Anhänger der Religionen sind ob des Mangels an Uniformität häufig wenig begeistert und können es partout nicht unterlassen, bei jeder sich bietenden Gelegenheiten ihren Wertekanon auch zum weltlichen Gesetz zu machen. Dass sie dabei manchmal en passant das objektiv Richtige und Gute tun, ist ein Versehen und nicht Teil des eigentlichen Plans.

Als Schlümpfe kostümierte Kinder

Nach den Gotteslästerlichen, den Ehebrechern, den Unbekleideten und den Freunden des Schweinebratens etc.pp sind nun die Schlümpfe ins Visier der reinen Lehre, in diesem Falle der des salafistischen Islam, geraten. So hat die saudi-arabische Religionspolizei eine Veranstaltung mit über 2.000 Besuchern beendet, auf der als Schlümpfe kostümierte Kinder Lieder gesungen haben sollen.

Begründet wird die Aktion damit, dass es sich bei diesen Liedern um unislamische Musik handele. Das lässt sich nebenbei bemerkt durchaus als Zeichen für die liberale Haltung Saudi-Arabiens in Fragen gotteslästerlicher Entäußerungen interpretieren, wird doch implizit bestätigt, dass Musik nicht generell unislamisch sei, sondern nur das Schlumpflied verboten gehört.

Die Vernunft und Barmherzigkeit, auf der diese Haltung ruhen könnte, leuchtet sofort ein. Kein Elternteil, ob christlicher, ob islamischer, ob atheistischer oder jeder anderen Glaubenspräferenz wird nicht in wenigstens stiller Freude verharren, würde ein Verbot des Lieds der Schlümpfe ausgesprochen.

Jedoch: Ein mütterliches oder väterliches Machtwort hätte hier den weitaus souveräneren Umgang gezeigt. Auch hätte man Vadder Abraham vor einem zivilen, weltlichen Gericht für sein Werk zur Verantwortung ziehen können. Grund genug gäbe es. Ein religionspolizeilich erteiltes Verbot des Liedes der Schlümpfe offenbart aber nur eines: Die Unfähigkeit einer Gesellschaft, sich mit ihren Dämonen auf angemessene Weise auseinanderzusetzen. Doch halt, dafür wurden all die Tempel und Kirchen ja gebaut.

Die Kinder übrigens sollen lauthals gegen die Auflösung ihrer Veranstaltung protestiert haben. Dass sie damit mehr Mut bei der Verteidigung dieser schlumpfblauen Kloake zeigen als viele Erwachsene beim Kampf um elementarste Freiheitsrechte gegenüber repressiven staatlichen und religiösen Organen, kann nun wirklich kulturpessimistisch stimmen. Man möchte glatt eine Polizei einrichten, die sich nur um den Schutz des kulturellen Erbes kümmert. (mit dpa)

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