Liebling, wir brauchen einen Schulplatz

Ein Film für die ganze Familie

Nach dem Happyend bei der Kitasuche folgt für Familie Kruse nun eine neue Herausforderung: Die Tochter muss auf die Grundschule.

Kinder tragen Schultüten

Ist doch ganz einfach, die Einschulung – und süß! Foto: dpa

Nach dem Überraschungserfolg von „Ach du scheiße, wir brauchen einen Kita-Platz!“ folgt nun, nach fünf Jahren, endlich der zweite Teil: „Ach du scheiße, unser Kind kommt in die Schule!“

Wir erinnern uns: Im ersten Teil suchte die Kleinfamilie Kruse einen Platz in einer Kindertagesstätte irgendwo in der Nähe ihrer Wohnung. Oder zumindest halbwegs auf dem Weg zur Arbeit. Oder sonstwo. Das ist in Berlin ja schon schwierig genug, noch komplizierter wird es, wenn das Kind nach der Geburt erst mal lange auf der Intensivstation lag.

Tja, hätte die Familie mal einen Kita-Platz gesucht statt im Krankenhaus rumzuhängen. Pechsache. Absage hier, Absage da, warum kommen Sie jetzt erst?, jaja, Sie stehen auf der Liste, zwar ganz unten, aber vielleicht klappt es ja, aber wahrscheinlich nicht, neinnein, rufen Sie uns nicht an, wir melden uns bei Ihnen.

Es war schon ein kleines Wunder, dass die Eltern mit ihrem Wunsch nach einem Betreuungsplatz nicht von der Kita-Auffahrt getreten wurden. Doch dann: das Happyend, ein kleiner Kinderladen in Kreuzberg, alles ganz liebevoll, mehr Klischee ging nicht.

Schulprofile wälzen

Nun, in Teil zwei, muss Familie Kruse sich darum kümmern, dass Tochter eins auf eine Grundschule kommt. Das Problem diesmal: Die nächstgelegene Grundschule ist keine Einzugsschule, ein Platz also nicht garantiert. Also: Anmelden bei der etwas weiter entfernten Einzugsschule mit dem Wunsch, auf eine andere Schule gehen zu dürfen.

Das heißt, Schulprofile wälzen: Jahrgangsübergreifendes Lernen – ja oder nein? Betreuung im Hort – wie läuft das? Musisches/naturwissenschaftliches/sprachliches/wasweißich Profil? Und aus all diesen Sachen muss dann ein Motivationsschreiben zusammengebaut werden, warum es für Tochter eins das Allerallerbeste wäre, wenn sie auf die Wunschschule käme (die ja eigentlich nur die Schule mit dem kürzesten Schulweg wäre). Es ist wie damals als Papa Kruse den Wehrdienst verweigern wollte (Mindestens zwei Seiten Begründung!!).

Die Bewertung:

Unterhaltung: zwei Sterne (Sehen Sie, wie Papa Kruse nach der Arbeit von Tochter zwei mit „Papa, jetzt verderbst Du uns das ganze Abendbrot“ begrüßt wird und von Tochter eins im Überschwang eine Gabel in den Rücken gerammt bekommt. Großes Hallo!)

Spannung: zwei Sterne (Innerer Konflikt: Macht es Papa Kruse zu einem neoliberalen Spießer, dass er sein Kind auf eine andere Schule schicken will? Und warum empfehlen andere Eltern ihm immer den Klageweg?)

Erotik: ein Stern (Sehen Sie erotische Anbahnungen der Eltern, abrupt unterbrochen von „Mama! Papa! Ich hab gekackt!“)

Fazit: Ein Film für die ganze Familie! Außer für die Großeltern, denn die wissen schon am besten, dass das Enkelkind auf keine der beiden Schulen gehen sollte. Denn Schulen in Berlin im Allgemeinen … ganz schwierig. Haben sie gelesen. „Wollt Ihr nicht aufs Land ziehen?“

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Seit 2008 bei der taz. Davor: Journalistik und Politikwissenschaft in Leipzig studiert. Dazwischen: Gelernt an der Axel Springer Akademie in Berlin. Mittlerweile: Ressortleiter tazzwei/Medien.

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