Liebeserklärung an die Berliner Polizei

Eine ganz eigene Köpenickiade

Die Hauptstadt erfindet sich ja jeden Tag neu, ist aber auch stolz auf ihre Traditionen. Ganz vorn dabei sind da gerade die Ordnungshüter.

Die Schultern von drei Polizist*innen in Uniform, mit Abzeichen drauf

Falsche Uniform? Mindestens zwei Jahre war eine junge Frau als falsche Polizistin unterwegs Foto: dpa

Als Friedrich Wilhelm Voigt vor mehr als 100 Jahren sich vermittels einer zusammengestoppelten Uniform in den Hauptmann von Köpenick verwandelte, da hatte er ein ehrlich kriminelles Motiv: Er wollte schlicht die Stadtkasse rauben. Ein ordentlicher Coup war das, und Voigt wurde ein paar Tage nach der Köpenickiade auch schon ordentlich gefasst. Etwas länger, mindestens zwei Jahre nämlich, war eine junge Frau in vollem Polizeiornat in Berlin unterwegs, anscheinend ohne ökonomische Interessen, sondern nur vom Wunsch beseelt, beim Beschützen dabei zu sein; die Uniform der Frau war in allen Teilen original, ja so ungewöhnlich vollständig, dass ebendies den Originalbeamten verdächtig erschien.

Wer kennt das nicht? Endlich mit der tollen Truppe tanzen, unbehelmte Rad­fah­rer*innen auf offener Straße zurechtweisen, hilfreich an Einsätzen teilnehmen, den Respekt und die Anerkennung in den Augen der Bevölkerung spüren. Deine Stadt braucht dich.

Die Polizeipräsidentin von Berlin, Barbara Slowik, braucht derweil selber Polizeischutz. In der Nacht auf Mittwoch machte ein Einbrecher, was Einbrecher halt so machen, allerdings an der Haustür der Behördenleiterin. Erwischt wurde der Missetäter nicht, aber unterbrochen in seinem Tun. Die Nachbarschaft zeigte sich aufmerksam. Ob sie einen Notruf absetzte, ist uns nicht bekannt. Die Berliner Polizei aber ist eventuell genauso ahnungslos: Die 110 funktioniert nämlich in der Hauptstadt nicht richtig. Es ist eine lange Geschichte, fragen Sie nicht. Hoffen Sie einfach, dass kein Notruf nötig ist, zumindest nicht mehr im August. Ab „vo­raussichtlich Anfang September“ soll alles schon wieder im Lot sein.

Das alles ist so derart Berlin, dass einem glatt das Herz aufgeht. Ach, diese Stadt, in der niemand weiß, was der Regelbetrieb wäre, wo nichts nach Plan arbeitet, am Ende alle aber irgendwie durchkommen, weil man ja immer noch von Tegel fliegen kann. Da können Notbesetzung am Notruf, Polizeieskorte bei der Polizeipräsidentin und der zweijährige Einsatz einer falschen Polizistin so falsch nicht sein.

Apropos Tegel und Scheinpolizistin: Warum lässt man die junge Frau nicht einfach am BER patrouillieren? Ach ja, Kreis Dahme-Spreewald, Land Brandenburg.

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Jahrgang 1976, tätig für die tageszeitung seit 2006, Redakteur und CvD bei taz.de 2012-19, seitdem Redakteur für digitale Gesellschaft und Zeug. Errungenschaften: 2. Platz im Sackhüpfen (bis 8 Jahre) des Ferienlagers Großräschen (1983), Wiedervereinigung (1990), Literaturstipendium des Landes Sachsen-Anhalt (2004), Triglav (2011/15). Public key: https://pgp.mit.edu/pks/lookup?op=vindex&search=0xC1FF0214F07A5DF4

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