: Letzter DDR-Großbetrieb privatisiert
■ Bombardier kauft die Deutsche Waggonbau AG und wird Nummer zwei bei Reisezügen. Keine Entlassungen vorgesehen
Berlin (AP) – Der kanadische Mischkonzern Bombardier rückt mit der gestern vollzogenen Übernahme der Deutschen Waggonbau AG (DAW) auf einen Spitzenplatz im weltweiten Bahngeschäft vor. Mit der aus einem DDR- Kombinat hervorgegangenen DAW und der früher erworbenen Talbot in Aachen werde Bombardier international zur Nummer zwei unter den Reisezugherstellern, erklärte der Vorstandsvorsitzende Laurent Beaudoin bei der Vertragsunterzeichnung in Berlin. Er sehe mit dem Know-how der Deutschen gute Chancen für die Zukunft.
Von den 4.000 DAW-Mitarbeitern in Deutschland soll nach Konzernangaben niemand entlassen werden. Vielmehr seien sogar Neueinstellungen möglich, wenn sich das Geschäft gut entwickle. Im vergangenen Jahr seien 250 neue Stellen geschaffen worden.
Die Bombardier-Gruppe, die im Fahrzeugbau nach eigenen Angaben mit weltweit etwa 41.000 Mitarbeitern rund acht Milliarden kanadische Dollar (zehn Milliarden Mark) Umsatz macht, hatte ihr Interesse an DWA im November bekundet. Damals hatte sich der Konzern mit den Eigentümern, einer Investorengruppe unter Führung der amerikanischen Investmentfirma Advent, schon grundsätzlich auf den Verkauf geeinigt.
Über den Kaufpreis und die Konditionen verlautete bisher nichts. Er soll nach Angaben von Beaudoin erst nach Abschluß aller Formalitäten am 10. März bekanntgegeben werden. Die DWA war erst im März 1996 als letztes ostdeutsches Großunternehmen privatisiert und an Advent verkauft worden. Inzwischen schreibt der Waggonbauer wieder schwarze Zahlen und machte 1997 nach eigenen Angaben 1,1 Milliarden Mark Umsatz. Wegen des Verkaufs verzögerte sich Bombardier zufolge der für dieses Jahr geplante Börsengang der DWA.
DAW war als Kombinat auf die Belieferung der Sowjetunion ausgerichtet. Nach der Wende erfolgte nach Konzernangaben eine Umorientierung nach Westen, der Exportanteil nach Osten sei auf 20 Prozent gesunken. Dafür lägen die kombinierten Marktanteile in Deutschland und Westeuropa bei 29 beziehungsweise 16 Prozent. Der Wiedereinstieg in die Ostmärkte wird den Angaben zufolge vorbereitet.
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