■ Das Portrait: Letsie III.
Eigentlich wollte er letzte Woche zurücktreten – Letsie III., König von Lesotho. Noch hat der 31jährige Monarch seine Ankündigung nicht wahr gemacht. Noch herrscht er über die südafrikanische Enklave von der Größe Belgiens, aber mit doppelt so vielen Einwohnern – knapp 2 Millionen.
Das Grab seines Urahnen, König Moshoeshoe I., (1786–1870) liegt auf dem heiligen „Berg der Nacht“, Thaba Bosiu. Von hier aus gelang es dem legendären Reichsgründer, die verschiedenen Sotho-Clans unter seiner Autorität mit einer Sprache – Sesotho – und einem differenzierten Herrschaftssystem zu vereinigen. 1868 wurde Lesotho „britisches Protektorat Basutoland“, seit 1966 ist es unabhängig.
Eigentlich wollte Letsie, der mittlerweile 8. König Lesothos, nie König werden. 1990 zwangen die Militärs den damals 27jährigen auf den Thron, nachdem sie seinen Vater – König Moshoeshoe II. – nach 30 Jahren Herrschaft nach London vertrieben hatten. Ein Jahr zuvor war Letsie aus England zurückgekehrt, wo er ausgiebig studiert hatte: Jura in Bristol, Soziologie der Entwicklungsländer in Cambridge, Agrarwissenschaft in London. Lange verweigerte er seine Krönung. Zu Beginn des Jahres 1993 verbreitete er in einer 14seitigen Erklärung, König von Lesotho – wie lange noch?Foto: Reuter
er wolle den Thron seinem Vater, dem „rechtmäßigen Herrscher“, zurückgeben, der inzwischen aus dem Exil zurückgekehrt war. Ein Kommentator hat Letsie als toy king bezeichnet – als Marionette ohne eigene politische Interessen.
Als Letsie vor drei Wochen Regierung und Parlament verfassungswidrig auflöste, glaubten viele, er wolle damit die Rückkehr des Vaters auf den Thron vorbereiten. Der aber hält sich bedeckt. Am Freitag nun mußte Letsie auf Druck mehrerer Staaten des südlichen Afrikas und westlicher Geberländer den von ihm entlassenen Ministerpräsidenten Ntsu Mokhele wieder einsetzen.
Beobachter vermuten, daß Letsie mit seinem Königsputsch eine von der demokratisch gewählten Regierung eingesetzte Untersuchungskommission ausschalten wollte. Sie sollte umstrittene finanzielle Machenschaften seines Vaters überprüfen und nebenbei auch die Frage klären, ob Lesotho die Monarchie nicht ganz abschaffen soll – zugunsten eines gewählten Präsidenten. Unterstützt wurde Letsie von Teilen des Militärs und der ehemaligen Regierungspartei BNC, die bei freien Wahlen bisher nie eine Chance hatte. Monika Regelin
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