■ Soundcheck: Leningrad Cowbys
Gehört: Leningrad Cowboys. Die Leningrad Cowboys waren auch bei ihrem Konzert am Mittwoch nachmittag im Stadtpark die nette Horde von durchgeknallten Stoikern, welche als letzte Band der Welt wirklich gelungene Parodien und Travestien von Rockstücken, Chartbreakern und Folklore beherrschen. Den Höhepunkt ihres Auftritts bildete allerdings die Mitwirkung einer Frau, die die Deutschen mal dazu provozierte, ihre Nachkriegslügengeschichte um ein Kapitel zu ergänzen: Hildegard Knef. „Die Knef“ hat die meisten von denen, welche sich ihr Bewußtsein zwischen Wirtschaftswunder, zwei historischen „Wenden“ und gesamtdeutschem Tümeltum zurechtlegen, auf den Gedanken gebracht, daß schon mit dem Anfang dieser Geschichte etwas nicht stimmt. In sentimentaler Einzigartigkeit trat sie als ein Sonderfall der Geschichte auf. Die Cowboys verwandelten sich sofort in kniggegemäße Jüngelchen. Die auf Rock 'n' Dumm-batz-Coverversionen eingestellten Besucher erlebten eine gutgelaunte Diseuse vom anderen Stern. Als Hildegard Knef die Wörter „für alle“ intonierte, las sich staunende Überforderung in den Gesichtern. Ein Konzert, für das man einen eigenen Begriff braucht: kleiner Schockschweretod. Kristof Schreuf
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