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Leichtathletik-WM: Anette Säger

Foto: Theo Heimann/ Xpress

Wenn Anette Säger an der Startlinie steht, passiert es ihr manchmal, daß sie einfach den Startschuß nicht hört. Anette ist Läuferin: 400, 800 und 1.500 Meter, und sie ist taub. Ihre Trainerin gibt ihr dann vom Rand aus Zeichen, und Anette läuft los. „Sonst, wenn ich mich unterhalte, lese ich von den Lippen ab“, erzählt sie.

Unter den Läuferinnen gehört die seit ihrer Geburt auch spastisch Gelähmte schon zu den Älteren, „und manche von den jungen Hüpfern sagen sogar Oma zu mir“, beschwert sich die 34jährige. Aber eigentlich ist ihr das egal. Anette macht seit 10 Jahren Sport, und genauso lang ist sie auf allen möglichen Wettkämpfen. „Es macht einfach Spaß, in viele Länder zu fahren und Leute kennenzulernen.“

Daß ihr Verlobter Uwe, mit dem sie in Kassel zusammenwohnt, nicht zu den Weltmeisterschaften mitkommen konnte, findet sie schade, „aber er drückt mir bestimmt zu Hause die Daumen“, fügt sie lächelnd hinzu. Anette arbeitet in der Bäckerei und Metzgerei einer Behindertenwerkstatt in der Nähe von Kassel. Dort hat sie auch den Rollstuhlfahrer Uwe kennengelernt. Vor sechs Jahren haben sie sich dann verlobt. Und wie aus der Pistole geschossen, fällt Anette sofort das genaue Datum ein: „Es war am 12. April 1988.“ Aber heiraten will sie nicht. „Uwe ist zwar schon der Richtige, aber man muß ja nicht gleich heiraten.“

Der Richtige ist Uwe auch, wenn es jeden zweiten Samstag heißt: auf ins Fußballstadion. Denn Anette ist Fußballfan. Selbst zu spielen hat sie auch schon probiert, „aber ich habe Angst vor dem Ball, also gucke ich lieber zu“. Anettes Kommentar zur Fußballweltmeisterschaft: „Ich hab' gleich gewußt, daß die Deutschen verlieren.“ Patricia Pantel

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