: Lautes Quaken auf dem Herrenklo
Studenten der Hochschule der Künste haben eine froschige Imagekampagne für die Polizei entworfen
Die Polizei ist nach Werbemeinung ein „Non Interest Product“. Sie ist bürokratisch, verstaubt und unflexibel. Alles, was einem modernen Dienstleistungsunternehmen nicht zu Gesichte steht. Als solches aber möchte die Polizei rüberkommen. Diesem Widerspruch haben sich nun fünf Studentinnen der Hochschule der Künste (HdK) angenommen. Mit viel Assoziationsvermögen haben sie an der Farbe Grün gebastelt und eine neue Imagekampagne für die Berliner Polizei entwickelt. Gestern stellten sie ihr Konzept vor. Grün steht nun für „Hoffnung“ und für eine „sympathische Polizei“.
Protagonist der Plakate ist Jochen. „Ein Typ von nebenan“, sagt Simone Honerlage von der Hochschulgruppe. Neben rotäugigem Laubfrosch oder bärigem „Koboldmaki“ posiert Jochen in Uniform. Alles, was die Tiere können – laut quaken oder Warnsignale setzen –, kann Jochen auch. Natürlich. Mit der Kelle oder dem Megafon.
Der Polizist als Mensch. Ein weiteres Stichwort für die Studentinnen, die die Polizisten monetelang bei Streifengängen begleitet und „lieb gewonnen“ haben. In ihrem Einführungsfilm „Was ist die Polizei?“ sind sie Gratwanderer: Neben Clubkultur, Familie, entspannter Privatheit steht der harte Alltag des Polizisten, die nackte Realität der Bürokratie. Das bringt uns die Beamten näher.
Auch die anderen Vorschläge spielen mit polizeilicher Wärme. Da gibt es den Briefkasten in Form eines gläsernen Polizisten. Hier können Bürger Beschwerden einwerfen. Oder den Stressball: Auf dem steht „Drück mich“. Wenn die Beamten nerven, kann man den kleinen Polizeiball zusammenknautschen. Voller Wut, aber mit einem lachenden Auge.
Sehr nett auch die Kampagne für den Christopher Street Day. In „Uniform ist sexy“-T-Shirts soll die Polizei dort grüne Kondome verteilen. „Safer Sex“ steht auf der Packung. Darunter sind grüne Handschellen abgebildet.
Zur Vorstellung ihres neuen Images sind etwa 20 Polizisten gekommen, vom stellvertretenden Stabsleiter bis zum einfachen Schutzpolizisten. Alle haben gelacht. Nur das Plaket für Herrentoiletten mit der Gabelschwanzraupe, die „bis zu zehn Zentimeter weit Flüssigkeit spritzen kann“, sieht man kritisch. „Wir müssen aufpassen, dass wir nicht unsere Seriosität verspielen“, sagt Polizeisprecher Christian Matzdorf. So ist noch offen, ob sich die Froschgrünen an die Vorgaben der Studentinnen halten. KATJA BIGALKE
Die Engagierten stärken
Die taz schreibt, redet und diskutiert für Pluralismus und eine freie, offene Gesellschaft – besonders jetzt, wo der Rechtsextremismus weiter erstarkt und demokratische Institutionen angreift. Dort wo rechtsextreme Kräfte an Zustimmung gewinnen, wächst auch die Befürchtung vor zunehmenden Angriffen und Diffamierungen gegen Gegner*innen extrem rechter Politik. Besonders selbstverwaltete Orte spüren diesen Druck, dabei brauchen wir gerade jetzt Orte der Kritik, (Sub)Kultur und der Solidarität. Gerade jetzt müssen wir zusammenhalten und uns solidarisch mit denjenigen zeigen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit „Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen