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Landungsschiffe nach Haiti

■ Washington will sich auf "Evakuierung von US-Bürgern" vorbereiten

Washington (AP/AFP) – In der Haiti-Krise mehren sich die Anzeichen für eine militärische Intervention: Die USA beschlossen gestern die Entsendung von vier Landungsschiffen mit 2.000 Marineinfanteristen vor die Küste Haitis. Während die Militärjunta den von der UNO geforderten Rücktritt weiterhin ablehnt, erreichte die Fluchtbewegung aus dem Karibikstaat einen Höhepunkt.

Ein hoher Beamter im Verteidigungsministerium begründete die Entscheidung Washingtons damit, daß genügend Kräfte für eine mögliche Evakuierung von US-Bürgern zur Verfügung stehen sollten. Bisher kreuzen vor Haiti acht kleinere Kriegsschiffe der USA und das Landungsschiff „Wasp“ mit etwa 650 Marineinfanteristen. Ihre Aufgabe besteht in der Überwachung des gegen Haiti verhängten UNO-Handelsembargos. Zu den Landungsschiffen, die heute in das Seegebiet auslaufen sollen, gehört die „Inchon“, die mit Kampfhubschraubern ausgerüstet ist.

Die Interimsregierung Haitis unter Präsident Emile Jonassaint warf den USA in einer Erklärung vor, die US-Kriegsschiffe verletzten haitianische Hoheitsgewässer, um Fischerboote aufzubringen. Die Fischer würden dann entführt und der internationalen Öffentlichkeit als Flüchtlinge präsentiert.

In elf Tagen 10.000 Flüchtlinge

Seit dem Sturz des ersten demokratisch gewählten Präsidenten, Jean-Bertrand Aristide, im September 1991 haben 54.000 Haitianer das Land verlassen, davon rund 10.000 in den vergangenen elf Tagen. Sie fliehen vor der Armut, die durch die UNO-Sanktionen noch verschärft wird, und vor der politischen Repression. Rund 3.000 politische Morde registrierten Menschenrechtsgruppen seit dem Militärputsch.

Allein am Montag griff die US- Küstenwache 3.247 Flüchtlinge in 70 Booten auf. Für etwa 150 Menschen endete die Flucht an diesem Tag mit dem Tod: Am frühen Morgen kenterte ein mit mindestens 200 Flüchtlingen besetztes Boot. „Es waren einfach zu viele Menschen an Bord“, erklärte der 19jährige Daniel St. Silus, dessen Vater für die Flucht seines Sohnes 500 Gourdes – zwei Wochenlöhne – bezahlt hat. In den letzten Wochen waren wiederholt Boote mit Flüchtlingen gekentert. Präsident Bill Clinton hat die Politik seines Vorgängers George Bush geändert und ihnen politisches Asyl in Aussicht gestellt.

Auf Bitten der US-Regierung hat sich Panama bereit erklärt, vorübergehend 10.000 Flüchtlinge aus Haiti aufnehmen. Der scheidende Präsident Panamas, Guillermo Endara, teilte mit, die 10.000 Haitianer sollten für ein Jahr unter Obhut des UN-Hochkommissariats für Flüchtlinge auf einem unbewohnten Eiland der Inselgruppe Las Perlas untergebracht werden. Die ersten Flüchtlinge könnten am Wochenende kommen. Sie solle bis zur Errichtung des Insellagers in einer Basis der US-Streitkräfte untergebracht werden. Der zukünftige Präsident Panamas, Ernesto Perez, sprach sich dagegen gegen die Unterbringung der Flüchtlinge auf der Insel aus. Statt dessen sollten die Haitianer auf US-Basen in Panama gebracht werden. Die USA müßten garantieren, daß die Flüchtlinge nach der Wiederherstellung der Demokratie auf Haiti zurückkehren können.

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