: Lagerhaft in Kamerun
■ EG-Sorge nach Massenverhaftungen/ Wahlsieger weiter unter Hausarrest
Berlin (taz) – Die Welle der Repression, mit der die kamerunische Regierung unter Präsident Paul Biya die Wahlfälschung bei den Präsidentschaftswahlen vom Oktober absichern will, führt zu wachsender ausländischer Besorgnis. Die EG hat unter Hinweis auf „Unregelmäßigkeiten“ bei den Wahlen zum „Dialog“ aufgerufen und die kamerunischen Behörden zur „vollen Respektierung der Menschenrechte“ aufgefordert.
Seit Kameruns Oberstes Gericht vor zwei Wochen Biya zum Sieger der Präsidentschaftswahlen vom 11. Oktober erklärte, sind weit über 1.000 Oppositionelle inhaftiert worden. Der Bürgerrechtler John Fru Ndi, der bei den Wahlen die meisten Stimmen erhalten hatte, befindet sich unter Hausarrest. Mehrere hundert Menschen sind in seinem von Sicherheitskräften abgeriegelten Haus in Bamenda von der Außenwelt abgeriegelt; Malaria und Diarrhöekrankheiten gehen auf dem Gelände um. In der Stadt sollen etwa 1.000 Menschen in Internierungslagern einsitzen. Fru Ndis Wahlkampfleiter Hameni Bieleu wurde vergangenen Mittwoch verhaftet; der Vizepräsident von Fru Ndis „Sozialdemokratischer Front“ (SDF), Tomdio Martin, wurde am Sonntag von Unbekannten entführt und befindet sich jetzt in Isolationshaft in der Hafenstadt Duala. Gilbert Takoh Mbah, Absolvent der Berliner Technischen Universität und SDF-Aktivist, wurde am Donnerstag in Duala aus seinem Büro entführt und ist ebenfalls inhaftiert. Weiterhin untergetaucht ist der einstige Professor an der Berliner Freien Universität, Kuma Ndumbe, der seiner Verhaftung in Duala entgehen konnte. D.J.
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Unser nächstes Ziel: 50.000 – wir brauchen nur noch 330 Freiwillige, dann haben wir es geschafft! Setzen Sie jetzt ein Zeichen für die taz und machen Sie mit. Mit nur 5,- Euro sind Sie dabei! Jetzt unterstützen