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LESUNGUNDVIDEO  ■  ANARCHIE IN MOABIT

Wer nach der Schlacht vom 1. Mai keine Kraft zum Kämpfen mehr hat, dem bleibt der Mut zum Träumen: Müden Kreuzberger Streetfightern und anderen Interessierten präsentiert der Bezirk Moabit heute abend eine Lesung und ein Video zum Thema Anarchie.

Um 19 Uhr kramt Ralf Landmesser selbstverfaßte anarchistische »Polyt-Lyrik« in der neuen Kulturfabrik Lehrter Straße 35 hervor. Landmesser, Herausgeber des legendären schwarz-roten Kain-Kalenders und eines der schrägsten Mitglieder im Verband Deutscher Schriftsteller, verfaßt im weitesten Sinne Agitationsdichtung. Glücklicherweise gehen seine Gedichte über reine Platitüden hinaus, zudem spielt er gehörig mit ihrer Form. Mit Spannung darf sein Frühwerk in rheinländischer Mundart erwartet werden.

»Die Utopie lebt noch« heißt ein Videovortrag von Horst Stohwasser über das von ihm entwickelte »Projekt A«, der nur eine Stunde später zwei Straßen weiter gezeigt wird: um 20 Uhr im A-Laden in der Rathenower Straße 22. Das »Projekt A« ist die Vision einer anarchistischen Kleinstadt, die im geballten Zuzug gesetzloser RebellInnen beginnt. Andere Anarchos sollen dadurch angelockt und chaotisches Leben damit langsam zur Normalität werden. Drei westdeutsche Kleinstädte, so heißt es, sollen schon fast erobert sein.

Da es heute abend gleich zwei subversive Veranstaltungen am selben Tag, zur selben Zeit und fast am selben Ort gibt, muß man die Frage stellen: Gehört der unschuldige Berliner Stadtteil Moabit jetzt etwa zum »Projekt A« dazu? MS

19UHRKULTURFABRIKUND20UHRA-LADEN

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