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Kühlschrankmusik

■ Die Geräuschradikalinskis Duncan, Tietchens und Klangkrieg im Blauen Haus

Wahrnehmung, schwierige Sache. Mit den Klangtexturen des John Duncan verhält es sich wie mit dem heimischen Kühlschrank: Oft werden wir des surrenden Kühlgitters erst gewahr, wenn das Gerät mit sanftem Rasseln verstummt. „Was aber“, so pflegte der alte Dekan der philosophischen Fakultät der Universität München, Professor Robert Spähmann, seine Ethik-Vorlesungen einzuleiten, „wenn ein Mensch, noch bevor er sich des Geräusches bewußt werden konnte, plötzlich stirbt? Hat er es gehört oder nicht?“

Bei Duncans quadrophonischem Konzert morgen im Blauen Haus stirbt niemand, ohne das Gehörte wahrgenommen zu haben. Der Mann ist „ein Quäler“, wie die Veranstalter ehrfürchtig versichern. Einer, der seinen atonalen Minimalismus mit brennenden Leinwänden garniert. Erinnern Sie sich an den Sketch mit Ernie und Bert und dem tropfenden Wasserhahn? Sie sind Bert, Duncan ist Ernie.

Als Belohnung eine Premiere von Klangkrieg: Tim Buhre und Felix Knoth machen mit 20 Drumcomputern, was György Ligeti mit 100 Metronomen gemacht hat. Und begeben sich bei einem zweiten Konzert auf die Reise von psychedelischem Krach zu ätherischem Knacken. Weil bei keiner Hörbar-Performance ein „Tape-Konzert“ fehlen darf, wartet Atonal-Altvater Asmus Tietchens mit „neuen Bändern des Herbstes“ auf. Ein Tape-Konzert, soviel sei verraten, ist das Ultimative in Sachen Interaktion. Kein überflüssiger Klangerzeugungsaktivismus, nur das Band, wie es läuft, und Publikum und Künstler blicken sich fest in die Augen. Christoph Twickel

morgen, 21 Uhr, Blaues Haus am Fischmarkt 18