: Kühle Kunst-Röhre
■ Die Ausstellung ElbArt 95 präsentierte Malerei im alten Elbtunnel
Der Verein Cult e.V. stellte am Wochenende Bilder aus – 15 Meter unter der Wasseroberfläche. 39 Malerinnen und Künstler zeigten ihre Werke bei ElbArt 95 im alten Elbtunnel. Musik gab's auch. Bis die Besucher an der Tunnelsohle ankommen, ist die Hamburger Gruppe Tuten und Blasen aber bereits am anderen Ende der Röhre. Wie die Rattenfänger locken sie ein buntgemischtes Besuchervölkchen immer tiefer in den kühlen Tunnel, der von Neonröhren erleuchtet wird.
Bereits zum zweiten Mal findet diese Underground-Präsentation von Malerei statt. Im vergangenen Jahr hatte Organisator Uwe Porschen diesen ungewöhnlichen Raum für seine Diplomarbeit zum Kulturmanager entdeckt. Die Verantwortlichen für den alten Elbtunnel beim Amt für Strom- und Hafenbau zeigten sich offen und stellten den Tunnel bereitwillig zur Verfügung. Ließ die Qualität beim ersten Mal – auch in der Einschätzung der Veranstalter – noch zu wünschen übrig, ist es in diesem Jahr gelungen, eine interessante Mischung zu präsentieren: Von grellbunten figürlichen Darstellungen bis zu zarten, großflächigen, monochromen Bildern reichte die Palette in der Malerei, von Photographie bis zum überdimensionierten Scherenschnitt die Techniken.
Beatrice Dettmann mutete ihren großformatigen Eitempera auf Leinwand-Gemälden den Aufenthalt in dem feuchten, kalten Tunnel zu, weil sie findet: „Das ist eine interessante Aktion, die die Stadt belebt.“ Hamid Ghandehary dagegen hielt die Kunstbetrachtung im Tunnel noch für zu konventionell und lud die Betrachter zu einer besonderen Auseinandersetzung mit seinem zwei mal fünf Meter großen Ölbild ein: Mit Hilfe eines Rahmens durften sie Ausschnitte festlegen, die der Künstler am Ende der Aktion tatsächlich aus der Leinwand schneiden und verschicken wird. Auch das Institut für kreative Physik forderte die Besucher zu eigenen Beiträgen heraus: mit einer Spendendose im Öltonnenformat. Über ein Telefon und einen Computer konnten Statements abgeben werden. Iris Schneider
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