: „Kritik empfand Nagelsmann zunehmend als Majestätsbeleidigung“
Johannes Kopp
Der Rücktritt von Julian Nagelsmann konnte niemanden mehr überraschen. Zu groß war der Druck auf den Bundestrainer geworden, der nach dem WM-Aus trotzig verkündet hatte, er sei keiner, der weglaufe. Dabei war absehbar gewesen, dass die Verantwortlichen von ihm abrücken würden, zumal Jürgen Klopp, der Lieblingstrainer der Nation, seine Aura bei dieser WM wirken ließ.
Foto: privat
Johannes Kopp ist Sportredakteur der taz.
Der Verantwortliche für die Elf zu sein, deren Auftritte eine ganze Nation seziert und zum Spiegelbild für alles Mögliche werden lässt, ist kein einfacher Job. Julian Nagelsmann hat sich an der Aufgabe verhoben. Schon bei der EM 2024 war ein gewisses Maß an Selbstüberschätzung sichtbar. Nagelsmann feierte die knappe Niederlage gegen Spanien ab. Traurig machten ihn nur die zwei Jahre Wartezeit, bis man Weltmeister werden könne.
Nagelsmann hat sich zu sehr in seine Ideen und in die Bedeutsamkeit seines Jobs verliebt. Kritik empfand er zunehmend als Majestätsbeleidigung. Als er am Ende all seine Grundsätze über Bord warf, half auch das nicht mehr. Nagelsmann war nur noch Dirigent eines Panikorchesters.
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