Krise in Bolivien: Armee besetzt Provinzhauptstadt

Bei Auseinandersetzungen mit konservativen Regierungsgegnern wurden mindestens 30 Kleinbauern getötet.

Explosion und Ausnahmezustand in Cobija. Bild: dpa

PORTO ALEGRE taz In Bolivien blieb die Situation auch am Wochenende verfahren. Nach vier Tagen gewalttätiger Auseinandersetzungen in den Tieflandprovinzen herrschte im ganzen Land eine angespannte Ruhe. Am kritischsten war die Lage in der nördlichen Amazonasprovinz Pando, über die Präsident Evo Morales nach einem Massaker mit mindestens 30 toten Kleinbauern den Ausnahmezustand verhängte. Am Sonntagmorgen besetzten Armeeeinheiten die Provinzhauptstadt Cobija.

In Cochabamba prangerte Morales erneut den "faschistischen, rassistischen Staatsstreich" an, als dessen Opfer er sich sieht. "Den Indianer können sie stürzen, aber nicht das bolivianische Volk", rief er vor tausenden Anhängern in der Hochburg seiner Bewegung zum Sozialismus (MAS), "unsere demokratische und kulturelle Revolution müssen wir zu Ende bringen, und wenn wir nicht siegen können, müssen wir für das Vaterland sterben".

Stunden später verkündete sein Präsidialamtsminister Juan Ramón Quintana in Pando, die Regierung habe die Festnahme von Gouverneur Fernández verfügt. Die Regierung beschuldigt den konservativen Oppositionspolitiker, am Donnerstag das Blutbad angeordnet zu haben und sich den Bestimmungen des Ausnahmezustands zu widersetzen.

Damit rücken Verhandlungen zwischen der Zentralregierung und den Provinzfürsten wieder in weite Ferne. In Santa Cruz berichtete Mario Cossío, der Gouverneur von Tarija, seinen Kollegen von dem siebenstündigen Gespräch mit Vizepräsident Álvaro García Linera am Vorabend. Dort war eine Fortsetzung vereinbart worden, doch nun solidarisierten sich die rechten Gouverneure mit ihrem Kollegen Fernández und erklärten: "Wenn es nur noch einen Toten oder Verletzten mehr gibt, wird jegliche Möglichkeit des Dialogs zerstört".

Gerade das scheint gerade in Santa Cruz nur noch eine Frage der Zeit. Jeden Abend belagern Schlägerbanden das Armenviertel Plan Tres Mil, wo hunderttausende Morales-Anhänger wohnen - meist aus den Anden zuwanderte Indígenas. Doch auch viele Angreifer haben dunkle Gesichtszüge. Sie werden von weißen Studenten mit Knüppeln, Feuerwerkskörpern und Essen versorgt.

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