: Kriegt man aus dem Herzen nicht mehr raus
Mit einer Hall of Fame würdigen wir die KollegInnen, die nicht mehr unter uns leben. Sie markiert den Beginn unserer Mühe, niemanden zu vergessen
Foto: Achim Duwentäster
Von Jan Feddersen
Der frühere taz-Geschäftsführer Karl-Heinz („Kalle“) Ruch sagte einmal beim Blick auf die Festgemeinde zu irgendeinem Abschied: „taz – das kriegt niemand aus der Wolle raus.“
Es waren nämlich, ich kann das vielfach bezeugen, sehr oft selbst ehemalige taz-Menschen bei diesen sozialen Anlässen dabei. Kolleginnen und Kollegen, die seit Langem in anderen Unternehmen arbeiten. Die taz, da hatte Kalle Ruch recht, das war für die meisten, die für sie, mit ihr und in ihr arbeiteten, keine Jobgeberin allein, sondern eine Art Familie. Und die steckt einem ja auch, oft allen Schwüren in jugendlicheren Zeiten zum Trotz, in der Haut, stärker eingeschrieben, wie es selbst ein Tattoo nicht vermag.
Die taz als eine Art lebensprägende Familie beruflicher Art: Das war unser Blick auf dieses Zeitungshaus, das sich nicht allein nur auf konzernunabhängigen Journalismus versteht, sondern eben auch als sozial-kulturelle Plastik, als inzwischen zwei bis drei Generationen übergreifende Angelegenheit von Medienpräsenz, die sich in die meisten KollegInnen eingeschrieben hat und, Gruß an die Jüngeren!, es weiter vermag.
Es gibt inzwischen zwei taz-Chroniken. Eine stammt aus den Neunzigern, eine andere aus den nuller Jahren, die sich der journalistischen Unternehmensgeschichte widmeten. Das taz-Archiv trägt das Seine dazu bei, dass die Vergangenheiten (im Plural, es gibt ja mehr als eine Perspektive) unseres Hauses bewahrt bleiben. Auf einem Friedhof in Schöneberg gibt es seit wenigen Jahren eine Grabstelle für die Verstorbenen und ihre Angehörigen, die in diesem Kreis ihre letzte Ruhe finden können. Im Panoramaraum des taz-Hauses ist seit vorigem Jahr das legendäre Fahrrad des taz-Mitgründers Hans-Christian Ströbele als Erinnerungsskulptur eingerichtet worden – wie es auch im Treppenhaus zwischen Parterre und erstem Stock die Bibliothek des früheren taz-Redakteurs Christian Semler als eine Erinnerungsstätte gibt.
Neu begründet haben wir jetzt eine „Hall of Fame“ der taz, einen digitalen Erinnerungsort für unsere verstorbenen WeggefährtInnen. Begonnen haben wir als Team – neben dem Autor dieser Zeilen die taz-lab-Kollegin Mareike Barmeyer, Manuel Schubert aus der Marketingabteilung und Isabel Lott aus der Fotoredaktion – mit zunächst einem knappen Dutzend Menschen, denen wir mit Arbeit und Leben sehr verbunden waren. Es folgen im Laufe der nächsten Monate weitere KollegInnen aller Abteilungen, nicht allein der redaktionellen, sondern auch aus dem Verlag, dem taz-Shop, der Genossenschaft, der taz panterstiftung, Le monde diplomatique und auch jenen Menschen, die in den Regionalteilen unserer Zeitung arbeiteten, in Hamburg, Bremen und (eine kurze Zeit) dem Ruhrgebiet. Getragen wird das Projekt von der taz-Genossenschaft und ihrem Geschäftsführer Ferenc Földesi. Wir danken allen, die uns behilflich waren und bleiben.
Haben Sie Wünsche, wen wir mit würdigen mögen? Schreiben Sie uns: halloffame@taz.de.
Gemeinsam für freie Presse
Die taz gehört zu 100 Prozent ihren Leser:innen und ist damit nicht nur konzernfrei, sondern auch kostenfrei zugänglich. Alle Artikel stellen wir frei zur Verfügung, ohne Paywall. Gerade in diesen Zeiten müssen Einordnungen und Informationen allen zugänglich sein. Unsere Leser:innen müssen nichts bezahlen, wissen aber, dass kritischer, unabhängiger Journalismus nicht aus dem Nichts entsteht. Dafür sind wir sehr dankbar. Damit wir auch morgen noch unseren Journalismus machen können, brauchen wir mehr Unterstützung für taz zahl ich. Dank Ihnen haben wir nun die 50.000 erreicht. So viele unterstützen freiwillig und regelmäßig. Noch nicht dabei? Werden Sie jetzt Teil der Community! Jetzt unterstützen