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Krieg gegen Apache-Traditionen

betr.: „Die Experten klären auf“, taz vom 11. 6. 01

Ich bin eine Apache-Älteste und lebe in der San Carlos Reservation in Arizona, USA. Ich bin überrascht, dass die Max-Planck-Gesellschaft (MPG) sich kürzlich für Verbrechen entschuldigt hat, die von ihrer Vorgängerin, dem Kaiser-Wilhelm-Institut, während der Nazizeit an unschuldigen, wehrlosen Opfern begangen wurden.

Tatsächlich bin ich nicht nur überrascht, sondern auch erzürnt. Die MPG führt schon seit langem geradezu einen Krieg gegen die religiösen und kulturellen Traditionen unseres Apache-Volkes, indem die MPG sich rücksichtslos und entgegen der wiederholt geäußerten Ablehnung durch unser Volk an der Errichtung von Teleskopen auf Mt. Graham beteiligt. Mit der Entwürdigung unseres allerheiligsten Berges setzt die MPG bis heute die Tradition ihrer rassisch begründeten Vernichtungspolitik fort.

Beinahe alle führenden zwanzig astronomischen Fakultäten der USA haben die Entweihung unseres heiligen Berges mit Abscheu verurteilt. Unser Stamm und andere indianische und nicht indianische Organisationen haben die deutsche Regierung und die MPG kontinuierlich in Briefen, Petitionen und Protestresolutionen auf die Verletzung unseres religiösen Glaubens hingewiesen. Die heuchlerische Antwort der Max-Planck-Gesellschaft lautete jedes Mal: Was vom US-Kongress gebilligt wurde, braucht auch von der MPG nicht wieder zurückgezogen zu werden.

Wir Apache waren niemals in der Lage, es mit den Millionen von Dollars aufzunehmen, die die Universität von Arizona und ihre Partnerorganisationen wie die MPG aufbringen konnten, um Lobbyarbeit zu betreiben und gegen einen finanziell Not leidenden Stamm Gesetze einzubringen. Ist das deutsche Volk sich wirklich darüber im Klaren, dass die MPG ein finanziell bedeutsamer Partner ist bei dem ersten wissenschaftlich-technischen Projekt unserer Zeit, das entgegen allen gültigen Umweltgesetzen der USA und jenseits all jener US-Gesetze durchgesetzt werden soll, die die religiösen und kulturellen Traditionen der Ureinwohner Amerikas schützen sollen? DELORES JORDAN, Bylas, Arizona

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