: Kreativ fließen
■ Selbstversuch: Die waschbare Monatsbinde aus Baumwolle
„Kann ich mir einen Keks nehmen?“ Diese Frage stellte unlängst die siebenjährige Tochter meiner Freundin, nachdem sie aus dem Badezimmer kam. Klar, warum nicht? Nur habe ich keinen – nicht mal im Badezimmer. Die vermeintliche Keksdose im Bad war – zumindest zum damaligen Zeitpunkt – leer. Und auch sonst ist die Tonschüssel nicht als Aufbewahrungsort für Kekse bestimmt: Sie dient der Aufbewahrung waschbarer Monatsbinden.
Auf dem Markt sind diese Binden seit Mai vergangenen Jahres. Rosi Weber, Geschäftsführerin und Inhaberin der Firma Biogarten, und Petra Sood, Sozialpädagogin und Körpertherapeutin, lernten diese stofflichen Utensilien im Ausland kennen – und waren begeistert. Nach einigen Tests haben sie entschieden, diese Binden sowie Tücher unter dem Namen „Vivas“ zu produzieren.
Dabei legen die Vivas-Macherinnen nach eigenem Bekunden großen Wert auf Tragekomfort und ästhetische Gestaltung. Zur Auswahl stehen somit Tücher und Binden in verschiedenen Farben – übrigens auch in Lila – aus Baumwolle und Bouretteseide in drei verschiedenen Größen: mini, midi oder maxi. Das Besondere daran ist ihre Wiederverwertbarkeit. Nach Gebrauch werden sie bis zur nächsten Wäsche in besagter Tonschüssel eingeweicht – der vermeintlichen Keksdose im Bad.
Selbst Reisen mit den Produkten sei kein Problem, so die Vorstellungen der Macherinnen. Allerdings fahren Frauen ja für gewöhnlich ohne ihre Tonschüsseln in den Urlaub. Kein Problem: Unterwegs verschwinden die gebrauchten Binden dezent in einem PE-Beutel oder werden unter dem Wasserhahn ausgespült – und nicht etwa im Dorfweiher auf Korsika geschwenkt.
Allerdings können selbst die angebotenen hübschen Seidentäschchen zur Aufbewahrung dieser Produkte nicht die umständliche Handhabung dieser Form der Monatshygiene vergessen machen. So ergab eine (nicht repräsentative) Umfrage unter Freundinnen wenig positive Resonanz – weder von den sparsamen (immerhin sollen die Binden bis zu fünf Jahre halten) noch von den umweltbewußten Frauen. Vielmehr wird diese nicht Baumwollbinden sind nicht immer praktikabel
neue Form der Monatshygiene – schon früher benutzten die Frauen selbstgenähte Stofftücher – von vielen als Einschränkung empfunden; zumal das vierfach gefaltete Tuch – bei Bedarf kann noch eine Binde eingelegt werden – eine ganze Menge Stoff bedeutet; und das kann nicht nur im Sommer unangenehm warm werden.
Leider argumentieren die Vivas-Macherinnen, daß wir „mit dem heute noch üblichen Verstecken der Menstruation“ einen Teil von uns selbst – unsere Weiblichkeit – verneinen. Doch der Schluß, daß Frauen, die Tampons oder Wegwerfbinden benutzen und noch dazu Wert darauf legen, sich frei zu bewegen, zu einer Tabuisierung der Menstruation beitragen, ist nicht mehr zeitgemäß. Nicht jede Frau schneidet ihren Energiefluß ab, wenn sie einen Tampon benutzt und das Fließen blockiert. Und nicht jede Frau betrachtet Fließen als kreativen Akt. Frauen können ihre Menstruation durchaus als natürlichen Ausdruck ihrer Weiblichkeit ansehen und dennoch Produkte verwenden, die die Menstruation nicht sichtbar machen oder möglichst wenig einschränken.
Es war eine Frage der Zeit, bis auch an Binden und Tampons ökologische Maßstäbe gesetzt wurden. Angesichts der Müllproblematik ist prinzipiell jede Form der Müllvermeidung positiv. Jedoch müßte zu einer Beurteilung in dieser Hinsicht eine Ökobilanz aufgestellt werden.
Bleibt die Frage, inwiefern die Möglichkeiten für die Konsumentinnen praktikabel sind. Das ist wiederum eine sehr persönliche Entscheidung. Positiv ist, daß Frauen, die nach einer anderen Form der Monatshygiene suchen, sei es aus gesundheitlichen oder ökologischen Gründen, die Möglichkeit haben, wiederverwendbare Naturprodukte zu wählen. Letztlich sollte jedoch jede Frau selbst entscheiden, welche Art der Monatshygiene für sie die angenehme ist. Claudia Kluske
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