Krankenhaus-Rettung: Bürger wollen Klinik selbst betreiben

Angestellte verzichten auf ihre Gehälter und wohlhabende Einbecker Bürger zahlen - ohne sie müsste das Sertürner-Krankenhaus wohl schließen.

Von reichen Bürgern erstmal gerettet: das Sertürner-Krankenhaus Bild: Einbecker Morgenpost

Für das in finanzielle Turbulenzen geratene Sertürner-Krankenhaus in Einbeck zeichnet sich nach mehreren Eigentümerwechseln eine ungewöhnliche Lösung ab. Der ärztliche Direktor Olaf Städtler und einige gut betuchte Familien aus der südniedersächsischen Kleinstadt wollen der Klinik mit privaten Mitteln wieder auf die Beine helfen und in der Betreibergesellschaft mitmachen. Eine Gruppe von Bürgern habe zugesagt, sich „ideell und finanziell“ für die Klinik zu engagieren, sagte Städtler am Dienstag. Das von ihnen zur Verfügung gestellte Geld solle in das Eigenkapital der Klinik-GmbH als Trägerin des Krankenhauses fließen.

In der vergangenen Woche hatte zunächst der Einbecker Stadtrat mehrere Millionen Euro für die Rettung des Krankenhauses freigegeben. Die Mittel sind für die Liquiditätssicherung sowie als Investitionszuschuss gedacht. Der Landkreis Northeim als kommunale Aufsichtsbehörde muss die Geldspritze allerdings noch bewilligen.

Die Kommune allein hätte einen Erhalt der Klinik nicht gewährleisten können, sagt Städtler: „Ohne die private Initiative der Einbecker Bürger gäbe es das Krankenhaus nicht mehr.“ Den Wohltätern ist nach Angaben des Krankenhaus-Chefs vor allem am Erhalt der Grund- und Regelversorgung sowie des Notarzt-Standortes gelegen. Sie wollen dazu beitragen, neben den Bereichen Innere Medizin und Chirurgie die Schmerz- und Palliativmedizin in Kombination mit der Traditionellen Chinesischen Medizin weiter auszubauen.

Welchen Betrag die privaten Financiers zuschießen, ließ Städtler offen. Außer seinem eigenen sind bislang drei Namen von Förderern bekannt geworden: Büchting, Rehkopf und Schmalzried. Die Familie Büchting hält große Anteile an dem in Einbeck ansässigen Saatgut-Konzern KWS, der wegen seiner Freilandversuche mit gentechnisch manipulierten Zuckerrüben in der Kritik stand; Andreas Büchting ist derzeit Aufsichtsratsvorsitzender der KWS. Der Unternehmer Karl-Heinz Rehkopf betreibt in der Stadt einen Oldtimer-Handel und lässt derzeit das alte Einbecker Kornhaus zu einem Motorrad-Museum umbauen. Walter Schmalzried ist Inhaber eines Kaufhauses, er sitzt zudem für die CDU im Stadtrat. Außer den genannten soll es dem Vernehmen nach weitere stille Gesellschafter geben, und auch zusätzliche private Geldquellen sollen erschlossen werden.

Der Gläubigerausschuss der insolventen Klinik hat den Plänen zur Fortführung des Krankenhausbetriebes zugestimmt, auch das deutsche Krankenhaus-Institut gab grünes Licht. Offensichtlich tragen aber auch die Beschäftigten zum Weiterbestehen des Krankenhauses bei. Sie hätten angekündigt, auf einen Teil ihres Gehalts zu verzichten, räumte Städtler ein. Dies ist umso bemerkenswerter, als die rund 240 Angestellten während der wirtschaftlichen Turbulenzen der vergangenen Monate teilweise gar kein Geld erhalten hatten.

Dass das Krankenhaus in finanziellen Schwierigkeiten steckt, wurde 2011 bekannt – in dem Jahr war die Klinik nur zu 78 Prozent ausgelastet. Zwei Monate lang zahlte die damalige Trägergesellschaft „Gehoma“ (Gesellschaft für Hospital-Management) keine Löhne aus, gleichzeitig suchte sie nach einem solventen Käufer. Der schien mit der Arbeiterwohlfahrt (Awo) Sachsen-Anhalt dann auch gefunden – bis sich diese im Oktober ebenfalls als Betreiber zurückzog.

Auch die Landesregierung wollte der Klinik nicht helfen. Die geringe Auslastung sei „für einen wirtschaftlich nachhaltigen Betrieb des Krankenhauses nicht ausreichend“, hieß es kürzlich in der Antwort auf eine Frage des SPD-Landtagsabgeordneten Uwe Schwarz. Keinem der bisherigen Krankenhausträger, die zur Rettung des Standortes Einbeck angetreten seien, sei eine Trendumkehr gelungen. Als sogenanntes Plankrankenhaus erhielt die Klinik vom Land lediglich pauschale jährliche Fördermittel von zuletzt 217.000 Euro.

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