: Kontroverse um die Toten von Hebron
■ Palästinenser nennen Erschießung dreier bewaffneter Palästinenser „kaltblütigen Mord“ / Israel spricht von gesuchten Hamas-Attentätern / Ausgangssperre verhängt
Tel Aviv (dpa) – Die spektakuläre Erschießung dreier mutmaßlicher palästinensischer Extremisten durch israelische Agenten hat massive palästinensische Kritik heraufbeschworen. Hochrangige Palästinenservertreter erklärten gestern, die Erschießungen seien „kaltblütige Morde“ gewesen. Der Chef des zentralisraelischen Armee-Abschnitts, General Ilan Biran, hingegen äußerte, man jage im Westjordanland noch weitere drei „Terrorkommandos“.
Der Planungsminister der Palästinensischen Autonomiebehörde in Gaza, Nabil Schaath, kritisierte die Hebron-Aktion scharf. „Die Israelis schossen weiter, als das Auto schon angehalten hatte. Das war kaltblütiger Mord.“ Der palästinensische Bürgermeister von Hebron, Mustafa Natsche, sagte im israelischen Rundfunk, die israelische Aktion werde nur weitere Gewalt provozieren. Für Hebron galt auch gestern eine Ausgangssperre.
Nach israelischer Darstellung hatte eine verdeckt arbeitende Einheit der Grenztruppen am Ostersonntag nahe Hebron in der besetzten Westbank aus einem Hinterhalt heraus ein mit drei Männern besetztes Fahrzeug beschossen. Das Auto sei von Kugeln durchsiebt worden, meldeten israelische Zeitungen. Zwei der nach israelischen Angaben mit Maschinenpistolen und Explosivstoffen bewaffneten Insassen waren danach gesuchte Hamas-Attentäter, die für mindestens sechs Morde an Israelis verantwortlich sind. Sie seien unterwegs zu einem Attentat gewesen. Zunächst hatte es geheißen, die Insassen seien durch die Explosion mitgeführter Sprengstoffe umgekommen.
Unklarheit herrschte über den dritten Erschossenen. Die Familie, der die Israelis die Leiche zuordnete, erklärte, der Tote gehöre nicht zu ihr. Schon fünfmal seien ihr in der Vergangenheit tote Palästinenser als Familienmitglieder zur Identifikation übergeben worden, doch auch diesmal treffe der Verdacht nicht zu.
Während der gesamten Feiertage – in Israel begann am Freitag das Passah-Fest – standen die Sicherheitskräfte Israels in höchster Alarmbereitschaft, nachdem Geheimdienste Anschlagsvorbereitungen militanter Palästinenser gemeldet hatten. Israel riegelte seine Grenzen zur Westbank und zum Gaza-Streifen ab.
Unterdessen verurteilte ein von Arafat eingesetztes Sondergericht am Sonntag zwei Hamas-Aktivisten wegen unerlaubten Waffenbesitzes zu zwei Jahren Haft. Zuvor war ein führender Dschihad- Militanter zu fünfzehn Jahren Haft verurteilt worden, ein anderer Hamas-Mann zu sieben Jahren. Etwa 50 der über 200 in der Vorwoche inhaftierten Personen wurden wieder freigelassen.
50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen