Komnmentar Milchstreik: Milchmädchen, wehrt euch!

Es sollten sich möglichst viele Bauern am aktuellen Streik beteiligen - damit die Preise steigen und der unsägliche Bauernverband abgestraft wird.

Endlich wehren sich die Milchbauern gegen viel zu niedrige Preise. Auch wenn die durch den Streik zurückgehaltenen Milchmengen bisher nur ein paar Prozent des Verbrauchs ausmachen, wird deutlich: Die Milchbauern lassen sich nicht mehr länger von Molkereien und Großabnehmern am Nasenring herumführen. Zwar sprach der deutsche Einzelhandel gestern von einem "absurden" Streik und ließ hochnäsig verlauten, zur Not werde man seine Milch eben im Ausland kaufen. Das mag zu einem gewissen Grad sogar möglich sein. Doch erstens wird das vermutlich teurer als der bisherige Einkauf in Deutschland. Und zweitens kann sich der Streik ja auch noch ausweiten. Die Milchbauern jedenfalls haben Wut genug: Wenn ihnen die Preise um ein Drittel gekürzt werden, so wie manche Molkereien es angekündigt haben, gehen ihnen jährlich die Einnahmen von vier Monaten verloren. Um das abzuwenden, kann man lange Milch wegschütten.

Der mächtige Deutsche Bauernverband (DBV) versucht, sich herauszulavieren. Er muss sich solidarisch zeigen mit den Milchbauern, weil die Misere offenkundig ist. Andererseits fürchtet er einen Erfolg des Streiks: Schließlich hat er jahrelang nichts erreicht. Zwar sitzen in den meisten Aufsichtsräten der Molkereien Verbandsvertreter, doch die Milchpreisdrückerei haben sie nicht unterbunden. So gründeten die Milchbauern nun eine eigene Organisation und handeln endlich ohne die taktischen Bremser des großen Bauernverbands. Sollten sie Erfolg haben, könnte das Schule machen: Es gibt diverse Sparten in der Landwirtschaft, die mit ihren Preisen nicht auskommen.

Zu Recht fürchtet der Bauernverband deshalb einen Aderlass. Das ist durchaus positiv: Endlich müssen Organisation und Mitglieder diskutieren, wofür sie wirklich stehen. Jahrzehntelang hat die Politik des DBV nur den Großen genutzt, der Umwelt geschadet und die Steuerzahler viel Geld gekostet. Deshalb kann man den ersten Bauernstreik im Land seit Menschengedenken nur begrüßen. Hoffentlich beteiligen sich viele Landwirte daran, damit die Preise nach oben gehen und die jetzigen Streikpioniere am Ende nicht die Dummen sind.

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Reiner Metzger, geboren 1964, leitet taz am Wochenende zusammen mit Felix Zimmermann. In den Bereichen Politik, Gesellschaft und Sachkunde werden die Themen der vergangenen Woche analysiert und die Themen der kommenden Woche für die Leser idealerweise so vorbereitet, dass sie schon mal wissen, was an Wichtigem auf sie zukommt. Oder einfach Liebens-, Hassens- und Bedenkenswertes gedruckt. Von 2004 bis 2014 war er in der taz-Chefredaktion.

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