Kommentar: Magazine graben sich eigenes Grab

"Zitty" und "tip" werden nur gekauft, weil sie einen umfassenden Überblick über die regionale Kultur bieten. Wenn kleine Bühnen sich die Gebühren für die Listung ihrer Termine nicht mehr leisten können, werden die Leser also wegbleiben.

Stellen Sie sich vor, Sie schlagen ein Stadtmagazin auf und keine Veranstaltung steht drin. Genau das wird passieren, wenn die beiden größten Stadtmagazine tip und zitty weiterhin darauf beharren, für die Lieferung von Veranstaltungsterminen auch Geld einsammeln zu dürfen. Dabei kassieren die Magazine nicht selbst - um die Termine kümmert sich seit Kurzem die externe Cine Marketing GmbH. Termine übrigens, bei denen nicht einmal sicher ist, dass sie gedruckt werden. Darüber entscheidet nämlich weiterhin die Redaktion. Und die wird es nicht mehr lange geben, wenn tip und zitty nicht bald von der unsinnigen Gebührenforderung absehen.

Denn die Stadtmagazine sind nur so lange etwas wert, wie sie dem Leser einen umfassenden Überblick über die regionale Kultur bieten. Dazu gehören nicht nur die großen Häuser, sondern gerade die kleinen Kulturstätten. Der Leser weiß das zu schätzen und zahlt für den Service: Immerhin fast 3 Euro legt er für ein Magazin auf den Ladentisch. Das Prinzip funktioniert auch in anderen Städten so: Der Leser zahlt, der Kulturbetrieb nicht, die Redaktion wählt aus, welche Veranstaltungen sie aufnimmt.

Können die kleinen Bühnen die Gebühren von bis zu 120 Euro im Jahr nicht zahlen, werden sie ihre Termine einfach nicht mehr übermitteln. Dann bleiben den Stadtmagazinen nur noch drei Lieferanten: die großen Häuser, die es sich leisten können, die Berlin-Bühnen, die ihre Veranstaltungsdaten zentral sammeln, und die Landeskirche. Und mal ehrlich: Wer sucht in der zitty nach einem Gottesdienst?

Bereits bei den Protesten im Winter beschwerten sich die großen Bühnen, dass sie kein Veranstaltungsmagazin wollen, das nur ihr Programm druckt. Genau so werden das die Leser sehen. Und dann passiert tip und zitty, was vorher schon unzähligen Zeitschriften passiert ist: Die Leser bleiben weg, die Anzeigenkunden auch, und am Ende werden die Magazine eingestellt.

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