Kommentar: Mitreißende junge Linke

Ein Bündnis von SPD bis Antifa ruft zur Blockade der Berliner Nazi-Demos am 1. Mai.

Monatelang hatte die Berliner Innenpolitik nur noch ein Thema: die linksextreme Gewalt. Das war nicht falsch. Doch fast musste man fürchten, dass die steigende Zahl der Attacken aus dem rechten Spektrum kaum wahrgenommen wird. Umso mehr überrascht der deutlich formulierte Aufruf zur Blockade der Nazi-Demos am 1. Mai.

Die Erklärung steckt in der Organisationsstruktur: Das Bündnis "1. Mai Nazifrei" glänzt zwar mit großen Namen auf der Unterstützerliste. Getragen aber wird es durch den agilen Nachwuchs von SPD, Linken, Grünen und Gewerkschaften - und den einschlägigen Antifa-Gruppen. Bei der Jugend gibt es trotz aller Distanzierungs- und Abgrenzungsorgien der letzten Monate nur wenig Berührungsängste. Und zudem die Fähigkeit, die älteren Parteigänger zu begeistern. Nur dank dieser Kombination ist es möglich, dass ein Parlamentspräsident und Parteivorsitzende ihren Namen unter ein fast linksradikal klingendes Antifa-Papier setzen.

Sollten die älteren Linken nicht nur auf dem Papier, sondern auch auf der Straße Seitan Seit mit der Antifa den Nazis im Weg stehen, könnte die Initiative sogar noch einen überraschenden Nebeneffekt haben. Die Rechtsextremen haben für den 1. Mai Dauerdemos bis spät in die Nacht angemeldet. Wer sie erfolgreich blockieren will, braucht einen langen Atem - und wird kaum Zeit haben für den Kreuzberger Krawall.

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Leiter des Regie-Ressorts, das die zentrale Planung der taz-Themen für Online und Print koordiniert. Themenchef und gelegentlich Seite-1-Redakteur. Seit 1995 bei der taz, 1998 bis 2005 CVD, 2005 bis 2011 Leiter der Berlin-Redaktion. 2012 bis 2019 zusammen mit Klaus Hillenbrand Leiter der taz.eins-Redaktion, die die ersten fünf Seiten der gedruckten taz produziert. Mehr unter gereonasmuth.de.

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