■ Kommentar: Autos auf Waffenschein
Gesellschaften, die wir „primitiv“ nennen, hatten ihre Menschenopfer. Das aufgeklärte Computerzeitalter schlachtet für seine Götzen mehr als nur ein paar Auserwählte. Für den Fetisch Auto opfern wir unsere Wälder, unsere Luft, unsere Gesundheit und uns selbst. Am Verbrennungsmotor versengen wir uns konstant die Finger.
Neu ist, daß die unsichtbaren Gefahren auf der Straße größer sind als die sichtbaren, daß der Verkehr mehr Menschen durch Lärm und Schadstoffe tötet als durch Unfälle. Wer da noch von „fließendem Verkehr“ und „autogerechten Städten“ faselt, macht das Mittel zum Selbstzweck. Eine Maschine, die bei planmäßigem Betrieb Leben killt, gehört stillgelegt, für die kommenden Generationen als Dinosaurier der technischen Fehlentwicklung zu bestaunen.
Wer sich wie die Autolobby von Tausenden Verkehrstoten jährlich nicht beeindrucken läßt, wird auch für ein paar tausend Krebstote mehr nicht den Zündschlüssel steckenlassen. Vielleicht brauchen wir eine ganz andere Sicht der Dinge: Autos sind gefährliche Waffen, nicht nur in den Händen von Betrunkenen. Statt Führerscheinen sollten in Zukunft Waffenscheine ausgegeben werden.
Bernhard Pötter
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