■ Kommentar: Nichts geschenkt
Es ist ein typisches Beispiel – das wievielte eigentlich? – für die Kurzsichtigkeit und Borniertheit der Hamburger Verkehrspolitik. Seit Jahrzehnten wird in dieser Stadt der Öffentliche Nahverkehr mehr als Last denn als Chance begriffen. Und die Elbe gilt schlicht als Verkehrshindernis, das automobilgerecht zu untertunneln und zu überbrücken ist.
Die Schnell-Fähren zwischen Hamburg und Stade, die nun ihren Betrieb aufnehmen, sind die erste wirkliche Innovation im Hamburger Nahverkehr, seit vor mehr als 100 Jahren Pferdedroschken durch die S-Bahn ersetzt wurden. Und sie sind ein nur bescheidener Neuanfang. Ein integriertes Verkehrskonzept, das den Fluß, an dem diese Stadt nun mal liegt, nicht ausschließlich als Industriekanal zur Beförderung von Containern begreift, fehlt weiterhin.
Ein solches Konzept, das Schiff und Schiene ebenso privilegiert wie Rad und Bus, würde nicht nur ökologisch Sinn machen: Der Verzicht auf Ortsumgehung Finkenwerder, A 26 und vierte Elbtunnelröhre zugunsten einer Mobilitätswende würde sich auch ökonomisch rechnen.
Der Reeder aus dem Alten Land, der diesen verkehrspolitischen Fortschritt gegen Politik und Verwaltung dieser Stadt durchsetzte, kann rechnen. Und er hat gute Gründe für die Annahme, daß er mit den Fähren die eine oder andere Mark verdienen wird. Ein guter hanseatischer Kaufmann verschenkt so leicht nichts, hanseatische Politiker aber reihenweise Chancen.
Sven-Michael Veit
Berichte Seite 22
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