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■ KommentarLob des Schülers

In einer Stadt, in der nicht nur das Mittelmaß regiert, sondern auch ein Sparzwang, der mit politischer Gestaltung und sozialer Zielsetzung nichts mehr zu tun hat, wirkt eine Demonstration mit fast 15.000 SchülerInnen fast wie ein Frühlingsbote in einer Stadt im Winterschlaf. Beinahe möchte man aufatmen, sich darüber freuen, daß wenigstens die SchülerInnen noch demonstrieren, während andere längst nur noch lamentieren.

Erleichterung ist dennoch fehl am Platz. Vor dem Hintergrund, daß es täglich Anlässe gäbe, auf die Straße zu gehen, ist die gestrige Schülerdemo viel eher eine Mahnung, ein Hinweis darauf, gegen welche Sparmaßnahmen schon gar nicht mehr demonstriert wird. Erinnert sei nur an den Baubeginn des Tiergartentunnels, wo ein paar hundert Demonstranten hilflos durch den Tiergarten irrten, oder den Spatenstich für die Olympiahallen, für die sich heute kein Betreiber findet und die den Senat jährlich Millionenzuschüsse kosten.

Daß es ausgerechnet die SchülerInnen sind, die diese bleierne Schwere durchbrechen und gegen die Sparpolitik des Senats auf die Straße ziehen, zeigt aber auch, auf welche Altersgrenze die „Einsicht in die Notwendigkeit“ bereits gesunken ist. Dabei sollte doch auch für Studierende, Arbeitslose, Rentner oder Alleinerziehende eine ganz andere „Einsicht“ gelten: daß man, bitteschön, dort das Geld holt, wo es welches gibt. Ein bißchen weniger Pragmatismus und ein wenig mehr Wut im Bauch würde sicher auch bei den Politikern auf mehr „Einsicht“ stoßen. Uwe Rada

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