piwik no script img

KommentarKommt Zeit, kommt Rad

■ Keiner plant langfristiger: Bausenator Wagner sorgt für unsere radelnden Enkel

Man kann dem Bausenator vieles unterstellen, doch falsche Versprechen macht Eugen Wagner Hamburgs Radfahrern nun wirklich nicht: Er macht gar keine.

„Langfristig“werde es Velo-Routen geben, verkündet er und meint es bitter ernst: In nur 40 Jahren schon könnten unsere radelnden Enkel an der Elbe in den Genuß eigener, schneller und vor allem sicherer Verkehrswege kommen – vorausgesetzt, an der mageren finanzielle Radwege-Förderung wird nicht weiter gespart.

Minderheiten müssen eben meistens länger auf Gleichberechtigung warten, so auch die Radler: Lediglich 63,3 Prozent der Hamburger Haushalte verfügen über ein Fahrrad. Doch das Warten wird sich lohnen. Denn die Hamburger Velo-Routen, wenn sie erstmal da sind, werden alle bisherigen Radwege Europas in den Schatten stellen: Technisch ausgefeilt, voller Schilder, gewagter Verschwenkungen, teuren Ampelschaltungen und dem einen oder anderen Tunnel (damit Autos oberirdisch nicht behindert werden). Ist doch klar, daß sowas ein paar Mark mehr kostet!

Einige Eimer Farbe kaufen und damit popelige Markierungen an den Straßenrand zeichnen, das kann jeder. Kein Wunder, daß Amsterdam oder Göteborg, Münster oder Erlangen schon seit Jahren und Jahrzehnten mit voreilig angefertigten Radwegenetzen prahlen.

Hamburgs Velo-Routen dagegen werden kein einziges Auto in die Fahrbahn-Schranken weisen. Mit fehlendem politischen Willen hat das nichts zu tun. Wagner handelt bloß bedächtig.

Kommt Zeit, kommt Rad. Aber auch nicht vorher.

Heike Haarhoff

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen