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Kommentar zum "satirischen Salon"Blauäugig oder dreist

Kommentar von

Petra Schellen

Jetzt könnte man natürlich sagen: Ist doch egal, was Imke Barnstedt früher mal gemacht hat - Hauptsache, ihr "satirischer Salon" ist harmlos und also förderungswürdig. Aber Barnstedts satirische Befassung mit der bösen Sprachvermischung ("Denglisch") ist ein Topos, der mit rechtsradikalem Gedankengut mindestens kompatibel ist.

J etzt könnte man natürlich sagen: Ist doch egal, was Imke Barnstedt früher mal gemacht hat - Hauptsache, ihr "satirischer Salon" ist harmlos und also förderungswürdig.

Aber Barnstedts satirische Befassung mit der bösen Sprachvermischung ("Denglisch") ist ein Topos, der mit rechtsradikalem Gedankengut mindestens kompatibel ist. Einer Stadt, die sich als Wissenschaftsstandort profilieren will, steht der Kult ums sprachliche Reinheitsgebot jedenfalls generell nicht gut zu Gesicht - und schon gar nicht, wenn die Protagonistin die Startseite ihrer Internetpräsenz verräterisch "Heim" nennt.

Den Marketingstrategen, die Oldenburg zur "Übermorgenstadt" ernannt haben, kann man nicht einmal zugute halten, dass sie auf irgendwen hereingefallen wären: Sie haben sich sogar schriftlich geben lassen, dass Imke Barnstedt den Holocaust nicht (mehr) leugnet, und das schien zu genügen. Ein solch lapidares Prozedere ist entweder blauäugig oder dreist; in jedem Fall nicht koscher.

Es muss erlaubt sein, jemanden für eine Haltung verantwortlich zu machen, die allenfalls wenige Jahre zurückliegt - wenn überhaupt. Denn rechtsextremes Gedankengut verblasst nicht schnell. Warum sollen wir nicht mal wieder ganz altmodisch politisch korrekt sein, anstatt uns einzureden, dass "Demokratie das eben aushalten muss"?

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Petra Schellen Redakteurin

Seit 2000 Redakteurin der taz am Standort Hamburg. Schwerpunkte: Kultur, Zeitgeschichte, Erinnerungskultur, Kolonialismus
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