Kommentar zum Stadtkewitz-Austritt : Die CDU sollte aufatmen
Stadtkewitz ist längst untragbar für die CDU. Die Partei darf daher erleichtert sein - sie muss sich nicht mehr von ihrem Irrläufer am rechten Rand distanzieren.
Wer will, kann über René Stadtkewitz rätseln. Entweder ist der nun aus der CDU Ausgetretene ein Wolf im Schafspelz, der bewusst auf der Grenze des gerade noch Erträglichen balanciert, um rechtsextreme Werte in der Mitte der Gesellschaft zu verankern. Oder er hat sich völlig verrannt und kann deshalb in jedem Moschee-Besucher nur noch einen radikalen Islamisten erkennen, der das gute alte Abendland unterwandert. Beides aber läuft auf das Gleiche hinaus: Stadtkewitz ist längst untragbar für die CDU.
Denn sicherlich darf man etwa über das kürzlich gefällte Urteil streiten, das einem muslimischen Schüler das Gebet gen Mekka in der Schule erlaubt. Wer aber wie Stadtkewitz behauptet, hier habe der Richter Scharia-Recht gesprochen, macht sich nur selbst lächerlich. Und selbstverständlich darf man sich über Islamisten aufregen. Wer aber wie Stadtkewitz seltsame Truppe "Pax Europa" im Internet unter dem Titel "Der Islam im Bild" schlicht ein Foto vom Anschlag auf das World Trade Center zeigt, vertritt ein gefährlich vereinfachtes Weltbild, das Kritik förmlich hervorruft. Und wer wie Stadtkewitz die zwangsläufige Kritik mit einer Meinungsdiktatur verwechselt, dürfte selbst in einer Partei wie der CDU keinen Platz mehr finden.
Eigentlich könnte die CDU aufatmen. Sie muss sich nicht mehr von ihrem Irrläufer am rechten Rand distanzieren. Sie könnte ihn im politischen Nirvana verschwinden lassen. Dass sie sich dennoch bemüht, ihn zurückzuholen, zeigt zweierlei: wie weit Stadtkewitz mit seinem antiislamischen Fanatismus schon vorgedrungen ist. Und wie anfällig die CDU für solch eindimensionalen Populismus ist.
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