piwik no script img

Kommentar zum AKW-Bau in LitauenAtomstrom als Exportschlager

Reinhard Wolff

Kommentar von

Reinhard Wolff

Ein AKW-Neubau ist in Litauen für die Energieversorgung nicht notwendig. Es lockt die Möglichkeit des Stromexports. Deutschland sollte sich davon unabhängig machen.

W ie man mit der Hinterlassenschaft des ersten "Atomzeitalters" des Landes, den sowjetischen Reaktoren des Tschernobyl-Typs, umgehen soll - das weiß man in Litauen bis heute nicht wirklich. Als Industriedenkmal steht das AKW Ignalina auf der Wiese, muss ständig bemannt sein, die Sicherheitssysteme müssen weiterlaufen, und weder für die Brennelemente noch für den Reaktorschrott gibt es ein Zwischen- oder gar Endlager. Seis drum, meint man in Vilnius, wird sich schon irgendwie regeln, stürzen wir uns einfach ins nächste Nuklearabenteuer!

Für die Energieversorgung des Landes ist ein AKW-Neubau trotz aller gegenteiligen Beteuerungen keinesfalls notwendig. Die funktionierte auch seit der Abschaltung des letzten Ignalina-Reaktors vor eineinhalb Jahren ohne Probleme. Nein, es lockt die Möglichkeit des Stromexports. Der war schon zu Ignalina-Zeiten ein prächtiges Geschäft - und warum das nicht einfach noch mal wiederholen?

Das nahezu vollständige Fehlen einer Antiatombewegung und Politiker, die Risiken und Folgen ebenso zu kümmern scheinen wie das Fanal von Fukushima, sind für die Atomlobby ein seltener Glücksfall.

REINHARD WOLFF ist Autor der taz.

Die litauischen Pläne haben mit dem deutschen Atomausstieg nichts zu tun - sie waren schon lange vor der Merkel-Wende in der Pipeline. Doch sind diese Pläne angesichts des potenziellen Abnehmers Deutschland erst interessant geworden. Wenn die konkurrierenden Reaktoren, die in Kaliningrad schon im Bau und in Weißrussland geplant sind, nicht früher den Markt besetzen und Litauen das Geschäft versalzen.

Da hilft es nur, Vilnius, Minsk und Moskau gemeinsam die Kalkulation zu vermasseln. Die Energiewende wird nur perfekt, wenn Deutschland sich so schnell wie möglich von Stromimporten unabhängig macht.

50.000 Menschen beteiligen sich bei taz zahl ich – weil unabhängiger, kritischer Journalismus in diesen Zeiten gebraucht wird. Weil es die taz braucht. Dafür möchten wir uns herzlich bedanken! Ihre Solidarität sorgt dafür, dass taz.de für alle frei zugänglich bleibt. Denn wir verstehen Journalismus nicht nur als Ware, sondern als öffentliches Gut. Zahlen muss niemand, aber guter Journalismus hat seinen Preis. Und immer mehr Leser*innen machen mit und entscheiden sich für eine freiwillige Unterstützung der taz! Dieser Schub trägt uns gemeinsam in die Zukunft. Denn wir suchen wir auch weiterhin Ihre Unterstützung. Setzen auch Sie jetzt ein Zeichen für kritischen Journalismus und unterstützen Sie die taz – schon ab 5 Euro. Jetzt unterstützen

Reinhard Wolff

Reinhard Wolff Auslandskorrespondent Skandinavien und das Baltikum

Lebt in Schweden, schreibt seit 1985 für die taz.
Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • A
    antiantiantianti

    Die Schlange beißt sich in den Schwanz? Früher haben Atomkraftgegnern der Bevölkerung bewußt machen wollen, dass der Strom aus der Steckdose nicht nur seinen finanziellen Preis hat, nun muß die Bevölkerung den Atomkraftgegnern bewußt machen, dass Strom aus dem Ausland nicht im geringsten besser ist.