Kommentar zu Attacken auf Innensenator Henkel: Die grüne Flucht nach vorn

Kommentar zu Attacken auf Innensenator Henkel

Dilettantisch, überfordert, ignorant: Was die Oppositionsparteien am Donnerstag an Geschützen gegen Innensenator Frank Henkel (CDU) aufgefahren haben, hatte es in sich. Beinahe auf Knopfdruck änderten Grüne, Linke und Piraten nach einem Jahr rot-schwarzem Pannenregieren ihren Modus: von Kritik auf Attacke.

Attacke ganz plötzlich

Keine Frage: Attacke hat Rot-Schwarz verdient. Was SPD und CDU von der größten anzunehmenden Unfallregierung noch unterscheidet, ist nicht viel: noch eine BER-Verschiebung und noch eine Schredderaktion, diesmal vielleicht in der Innenverwaltung selbst, dann wäre es so weit.

Trotzdem hat sich die Opposition bislang mit Rücktrittsforderungen zurückgehalten. Aus gutem Grund: Rot-Schwarz hat eine satte Mehrheit – und es ist nicht abzusehen, dass die Koalitionsraison Risse bekäme. Woher also der plötzliche Moduswechsel bei der Opposition?

Nicht zu übersehen war, dass vor allem die Grünen bemüht waren, am Donnerstag die Schlagzahl zu erhöhen. Und auch kein Zufall ist es, dass dies zu einer Zeit geschieht, in der der mühsam eingeübte Burgfriede zwischen Realos und Fundis wieder brüchig wird. Da kommt natürlich ein Frank Henkel gerade recht. Rauf auf ihn: Das ist der kleinste gemeinsame Nenner von Rot-Grün-Fans und den Freunden von Schwarz-Grün.

Freilich ist diese Flucht nach vorn etwas durchsichtig. Und sie wird nicht gerade die Bereitschaft bei der SPD erhöhen, nach einem möglichen Ende der Koalition das Bündnis mit den Grünen zu suchen. Die haben schließlich bei Wowereit einen ähnlichen Ruf weg: dilettantisch, überfordert, ignorant.

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Jahrgang 1963, ist Redakteur für Stadtentwicklung der taz. Ein weiterer Schwerpunkt ist Osteuropa. Zuletzt erschien bei Siedler sein Buch "Die Elbe. Europas Geschichte im Fluss". Er koordiniert auch das Onlinedossier "Geschichte im Fluss" der Bundeszentrale für politische Bildung. Uwe Rada lebt in Berlin-Pankow.

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