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Kommentar von Eiken Bruhn ÜBER ABTREIBUNGEN in NIEDERSACHSENDie Ministerin lässt die Frauen allein

Wenn Rundt daran gelegen wäre, die Belastungen von Abtreibungen zu mildern, sollte sie diese erst einmal benennen

Es ist nicht nachvollziehbar, warum Niedersachsens Gesundheitsministerin Cornelia Rundt behauptet, nichts von weiteren Kliniken zu wissen, die keine Schwangerschaftsabbrüche durchführen. Dass die katholische Kirche die „Sünde“ Abtreibungen verbietet, ist regelmäßig Thema in den Medien. 2013 hatten zwei katholische Kölner Kliniken einer Frau nach einer Vergewaltigung sogar die „Pille danach“ verweigert. In fünf katholisch geprägten Landkreisen in Niedersachsen helfen laut Recherchen der taz weder Kliniken noch niedergelassene FrauenärztInnen ungewollt Schwangeren.

Es spricht einiges dafür, dass Rundt dies weiß. So hatte ihr Ministerium auf die Frage der taz nach Versorgungslücken auf acht „Versorgungsbereiche“ in Niedersachsen hingewiesen, wo Abtreibungen möglich seien. Damit ist aber nichts über die Entfernungen gesagt, die Frauen in diesen „Versorgungsbereichen“ zurück legen.

Rundt muss dabei nicht gleich die Bewegung für ein liberaleres Abtreibungsrecht anführen. Obwohl es dafür gute Grunde gibt. Das bestehende Gesetz macht Frauen ein schlechtes Gewissen und setzt Schwangerschaftsabbruch mit Totschlag gleich. Und der Staat kann nicht regulierend eingreifen, wenn Frauen über 100 Kilometer für den Eingriff fahren müssen. Er kann weder Kliniken noch niedergelassene GynäkologInnen dazu verpflichten.

Wie gut die Versorgung in einer Region ist, hängt daher vom Zufall ab. In Uelzen etwa bieten gleich drei Praxen den medikamentösen und eine Klinik den chirurgischen Abbruch an. Uelzen hat 34.000 EinwohnerInnen – genauso viele wie Meppen. Oder Cloppenburg. Oder Papenburg. Dort macht es niemand.

Eine solche ungerechte Verteilung könnte eine Frauen-, Sozial- und Gesundheitsministerin schon umtreiben. Zumal Rundt die „erheblichen physischen und psychischen Belastungen, die häufig mit einem Schwangerschaftsabbruch einhergehen“, betont.

Wenn ihr daran gelegen wäre, Belastungen zu mildern, sollte sie diese benennen. Und nicht so tun, als wisse sie von nichts.

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