Kommentar (vgl. S. 26): Zu billig
■ Wie Ausländerfeindlichkeit entsteht
Der Unmut der IG-Bau in Sachen „Mindestlöhne“ richtet sich gegen die Arbeitgeberverbände. Deren Weigerung, dem „Entsendungsgesetz“ zuzustimmen, mit dem die Mindestlöhne festgelegt werden, ist tatsächlich ein Schlag ins Gesicht der Gewerkschaften. Dies paßt zum offenen Zynismus, mit dem in letzter Zeit hierzulande über „Soziales“ verhandelt wird. Errungenschaften wie die Tariflöhne werden ausgehöhlt.
Das ist die eine Sache. Die andere Sache ist, daß im Konflikt um die Billiglöhne ausländische Bauarbeiter gegen deutsche ausgespielt werden. Das Ganze erinnert an das altbekannte Stammtischurteil: „Ausländer nimmt Deutschem die Arbeit weg.“ Die Leute vom Bau arbeiten zusammen mit Polen, Tschechen, Rumänen, die (gezwungenermaßen!) bereit sind, Löhne unter 10 Mark zu akzeptieren. Es sind nicht die Deutschen, die zu Dumping-Preisen arbeiten. Und es sind nicht die deutschen Kollegen, deren Konkurrenz die Bauarbeiter fürchten. Kein Wunder also, daß so manche der Reden ausländerfeindlich ausfällt und daß 18 Prozent der deutschen Bauarbeiter, wie Panorama jetzt berichtete, die Republikaner wählen.
Doch das Problem ist hausgemacht: Unter solchen Bedingungen entsteht Ausländerfeindlichkeit. Die Gewerkschaftsforderung nach gleichem Lohn für gleiche Arbeit ist in diesem Sinne hochpolitisch.
Andrea Rödig
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