Kommentar neue französische Militärbasis: Sarkozys neue Kampfzone
Beim nächsten Krieg in der Region wird Frankreich nicht mehr so zurückhaltend sein wie im letzten Irak-Krieg.
W enn Militärbasen die Welt sicherer machen würden, wäre längst Frieden auf dem Planeten. Stattdessen zeigen die vielen Erfahrungen mit den US-amerikanischen, sowjetischen, französischen und sonstigen Präsenzen im Ausland, dass es vor allem um die Verteidigung nationaler Interessen geht. Dabei reicht das Feld von wirtschaftlichen bis hin zu politischen und militärischen Interessen.
Die neue französische Basis in Abu Dhabi in den Vereinigten Arabischen Emiraten macht keine Ausnahme von dieser Regel. Die politisch Verantwortlichen in Paris selbst erzählen mit überraschender Klarheit von ihren Motiven und Absichten: Sie wollen an der Straße von Hormus den Rohstoffnachschub - allen voran von Erdöl - sichern, sie wollen die Transportwege von Seepiraten freihalten und sie wollen französische Waffen verkaufen. Nebenbei soll ihre Basis auch als Schaufenster für andere Industrieprodukte funktionieren - darunter Atomkraftwerke.
Zugleich will Nicolas Sarkozy mit seiner neuen und auf Langfristigkeit angelegten Militärbasis demonstrieren, dass er gedenkt, militärisch und politisch eine mittlere Macht zu bleiben. Auf Augenhöhe mit den USA und mit China, die in Paris als die beiden wesentlichen Militärmächte der Zukunft gelten. Für diese Positionierung ist Sarkozy wieder in die Nato zurückgekehrt. Und dafür ist er jetzt bereit, die mögliche militärische Kampfzone weit in den Osten auszudehnen.
Expräsident Jacques Chirac hat 2003 "Non" zum Irakkrieg gesagt und Frankreich damit weltweit neue diplomatische Glaubwürdigkeit verschafft. Ein vergleichbares Signal ist bei einer künftigen Konfliktkonstellation von Frankreich nicht zu erwarten. Sarkozy setzt auf militärische Stärke. Er hat Frankreich jetzt in die erste Frontlinie in der instabilsten Region der Welt gebracht.
Unser Mittel gegen Antifeminismus
Wir machen linken Journalismus aus Überzeugung: kritisch, unabhängig und frei zugänglich für alle. Es gibt keinen Bezahlzwang, keine Paywall. Das geht nur, weil sich viele freiwillig beteiligen und unsere Arbeit unterstützen. Auch im Digitalen muss Journalismus, der für mehr Gleichberechtigung eintritt, finanziert werden. Unsere Leser:innen wissen: Journalismus entsteht nicht aus dem Nichts. Damit wir auch morgen noch unsere Arbeit machen können, brauchen wir Ihre Unterstützung. Schon über 48.000 Menschen machen mit und finanzieren damit die taz im Netz - kostenlos für alle. Setzen Sie ein Zeichen für die taz und für die Zukunft unseres Journalismus. Mit nur 5 Euro sind Sie dabei. Jetzt unterstützen
meistkommentiert