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Kommentar Wahlkampf in Brasilien Öl und Korruption

Andreas Behn

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Andreas Behn

Der neueste Korruptionsskandal macht Präsidentin Dilma Rousseff zu schaffen. Dabei kann ihr bislang nichts nachgewiesen werden.

D er jüngste Korruptionsskandal um den staatlichen Erdölkonzern Petrobras macht erneut deutlich, dass Politik in Brasilien ein schmutziges Geschäft ist, egal ob die altgedienten rechten Parteien oder die einst linke PT mit ihrem Diskurs der Erneuerung an der Macht ist.

Zeitungsberichten zufolge beschuldigt ein ehemaliger Petrobras-Direktor zahlreiche hohe Regierungspolitiker, Bestechungsgelder angenommen zu haben. Er selbst wurde im Zuge von Ermittlungen verhaftet und hofft nun aufgrund einer Kronzeugenregelung auf Strafnachlass.

Doch die Enthüllungsstory ist voller Ungereimtheiten. Das Rechtsaußen-Kampfblatt „Veja“ sagt selbst, dass die Kronzeugen-Aussagen höchster Geheimhaltung unterliegen, zitiert aber zahlreiche Namen von Spitzenpolitikern, die sich angeblich Gefälligkeiten von Petrobras bezahlen ließen. Quellen werden nicht genannt.

Doch Rousseff, die am 5. Oktober zur Wiederwahl kandidiert, steht bereits im Mittelpunkt des Skandals. Denn alle Medien sprechen von „Korruption in der PT“, obwohl die zitierten Politiker fast ausschließlich aus Koalitionsparteien stammen. Auf diese oft dubiosen Partner ist die PT angewiesen, um im reformbedürftigen politischen System Mehrheiten herzustellen.

Der Skandal, sein Zeitpunkt und die mediale Inszenierung sind Teil des Wahlkampfs. Die Rechte versucht mit allen Mitteln, eine vierte Amtszeit der PT in Brasilien zu verhindern. Und zugleich die (Partei-)politik als solche zu verteufeln, um autoritäreren Optionen den Weg zu bereiten.

Diese niederen Absichten der Opposition ändern aber nichts am Dilemma der PT, die im Lauf ihrer Regierungsjahre trotz einer erfolgreichen Sozialpolitik immer mehr Anhänger vergrault. Statt Erneuerung und Ethik in der Politik bedient sie sich der selben korrupten Methoden, die sie zuvor auf dem Weg zur Macht heftig und zu Recht kritisiert hatte.

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Andreas Behn

Andreas Behn Auslandskorrespondent Südamerika

Journalist und Soziologe, lebt seit neun Jahren in Rio de Janeiro und berichtet für Zeitungen, Agenturen und Radios aus der Region. Arbeitsschwerpunkt sind interkulturelle Medienprojekte wie der Nachrichtenpool Lateinamerika (Mexiko/Berlin) und Pulsar, die Presseagentur des Weltverbands Freier Radios (Amarc) in Lateinamerika.
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