Kommentar US-Drohnenangriffe: Pakistan gegen die Ohnmacht

Bisher ist noch nie jemand dafür verurteilt worden, mit einem Drohnenangriff Unschuldige getötet zu haben. Nun können sich die Opfer wehren.

Proteste gegen die Drohnenangriffe in Islamabad. Bild: dpa

Angriffe mit Drohnen sind der schmutzige wie ohnmächtige Krieg einer Hightech-Nation gegen eine Aufstandsbewegung, deren Bekämpfung mit Bodentruppen als zu kostspielig gilt. Drohnenattacken werden dabei als chirurgisch präzise gepriesen.

In der Praxis hat sich das als unhaltbare Propaganda erwiesen. Denn so schwer es schon Bodentruppen fällt, den Feind von der zu schützenden Zivilbevölkerung zu unterscheiden, so ist dies per satellitengesteuerter Drohne erst recht unmöglich. Deshalb sterben bei solchen Angriffen immer wieder Zivilisten.

Von Drohnen- wie anderen Luftangriffen heißt es im sogenannten „Krieg gegen den Terror“, sie produzieren für jeden getöteten Zivilisten ein Mehrfaches an neuen Gegnern, die fortan die Waffe in die Hand nehmen. Deshalb sind Drohnenangriffe kontraproduktiv. Doch auch die de facto juristische Immunität ihrer Piloten wie Auftraggeber ist kontraproduktiv.

Bisher ist noch nie jemand dafür verurteilt worden, mit so einem Angriff Unschuldige getötet zu haben. Klagenden Angehörigen wurde stets eine eigene Rechtlosigkeit und damit Ohnmacht vermittelt. Wehren konnten sie sich bisher eigentlich nur mit eigenen Waffen.

Es ist der Verdienst eines pakistanischen Richters, diese arrogante Verantwortungslosigkeit der Drohnenkrieger nicht zu akzeptieren und sich für die Rechte von Opfern und Angehörigen einzusetzen. Das dürfte zu keinem schnellen Erfolg führen, aber die politisch-moralische Diskussionen anheizen und langfristig dem Völkerrecht zu mehr Achtung verhelfen.

Die Befürworter von Drohnenangriffen blieben bislang den Beweis schuldig, dass sie rechtskonform handeln. Vielmehr deutet gerade die klandestine Praxis des Drogenkriegs auf die damit einhergehenden Rechtsbrüche hin – nicht nur in Pakistan.

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Asienredakteur der taz seit 1997, vorher freier Journalist. Studierte Politologie sowie Communication for Development in Berlin und Malmö. Versucht asiatisch-europäische Begegnungen zu ermöglichen durch taz-Reisen in die Zivilgesellschaft, Workshops mit asiatischen JournalistInnen und Diskussionsverantaltungen in der taz-Kantine (Han Sens ASIENTALK). Schreibt manchmal auch über Segeln. www.fb.com/HanSensAsientalk @HanSensAsientalk

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