piwik no script img

Kommentar US-Auto-Rettungspaket Obamas Gegner zeigen sich

Kommentar von

Adrienne Woltersdorf

Die Republikaner haben das Rettungspaket für die US-Autoindustrie abgelehnt - klar, denn Autoschrauber wählen demokratisch. Das lässt nichts Gutes ahnen für Obama.

Adrienne Woltersdorf ist USA-Korrespondentin der taz.

Es gehört schon eine gewaltige Chuzpe dazu, angesichts dreier Autokonzerne und von rund drei Millionen Menschen, die Angst um ihre Existenz haben, einfach Nein zu sagen. Doch die republikanischen Senatoren haben sich in der Nacht zum Freitag nicht entblödet, ein verhältnismäßig billiges Rettungspaket an einer eher unwichtigen Detailfrage scheitern zu lassen.

Von Anfang an war klar, dass die Partei des ungestörten Kapitalismus wenig übrig hat für eine gewerkschaftlich organisierte Industrie. Die Republikaner hatten im Oktober noch ein Herz für Pleite-Banker, für Fabrikarbeiter haben sie nun keines mehr übrig. Während die anreisenden Automanager vor dem Senat über lächerliche Details wie dem, ob sie im Auto auf der Fahrt nach Washington selbst am Steuer saßen, gegrillt wurden, ersparte man den korrupten Finanzmanagern jede peinsame öffentliche Befragung. Kein Wunder, möchte man zynisch anmerken: Schließlich sind Wall-Street-Banker selbst Republikaner, während Autoschrauber demokratisch wählen. Außerdem repräsentieren die meisten republikanischen Senatoren Südstaaten - in denen sich ausländische Autobauer erfolgreich niederließen. Warum also sollen sie Standortpolitik für die Konkurrenz machen?

Die Engstirnigkeit der Republikaner, die mit der neuerlichen Palastrevolte ihrem Präsidenten George W. Bush den Stinkefinger zeigten, lässt nichts Gutes ahnen für Barack Obama. Er wird es mit Konservativen zu tun haben, die nicht willens sind, über ihren vom Klientelismus definierten Tellerrand zu blicken. Nicht wenige unter ihnen sind entschlossen, die Wirtschaft des Landes - und mittlerweile auch die der restlichen Welt - vor die Wand laufen zu lassen, um damit gleichzeitig der Partei der freien Marktkräfte einen Rechtsruck zu verordnen. Das ist schlecht für die gigantischen Reformmaßnahmen, die Obama angehen muss und für die er die Opposition benötigt. Ohne Zweifel ist die US-Autoindustrie selbst schuld an ihrer Misere. Doch greift der Staat nicht ein, wird das freie Spiel der Marktkräfte zum US-Tsunami 2009 werden.

ADRIENNE WOLTERSDORF

Der drohende Erfolg der AfD bei den kommenden Landtagswahlen zeigt, wie stark rechtsextreme Kräfte inzwischen geworden sind. Gerade jetzt braucht es Zusammenhalt und Solidarität. Auch und vor allem mit den Menschen, die sich vor Ort für eine starke Zivilgesellschaft einsetzen. Die taz kooperiert deshalb mit "Alles beginnt im Zentrum". Die Kampagne unterstützt bundesweit linke, selbstverwaltete Orte und baut einen solidarischen Fonds für deren Schutz und Erhalt auf. Eine offene Gesellschaft braucht guten, frei zugänglichen Journalismus – und zivilgesellschaftliches Engagement. Finden Sie auch? Dann machen Sie mit und unterstützen Sie unsere Aktion. Jetzt unterstützen

Mehr zum Thema

1 Kommentar

 / 
  • MV
    M. Vogel

    Was den Senat angeht gilt ein Zitat von Albert Einstein: "Zwei Dinge sind unendlich: Das Universum und die menschliche Dummheit. Aber beim Universum bin ich mir noch nicht sicher."

     

    Proportional gemessen an den präventiven monetären Maßnahmen Europas bezüglich einer Krise die nicht durch Europa verursacht wurde sollten sich die amerikanischen Politiker schämen wegen 14 Mrd. sich zu zieren. Alleine die noch nicht kalkulierbaren und katastophalen Folgen nur in Erwägung zu ziehen ggf. in Kauf zu nehmen spricht dafür, dass der einstige amerikanische Pioniergeist welcher auch auf Zusammenhalt bestand längst zugunsten eines politischen oder monetären Egoismusses aufgegeben wurde.

     

    So wird es Zeit dass "Yes we can" wieder der Welt zeigt was Menschen zusammen positives bewegen können.