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Kommentar Tschechiens ParlamentswahlSieg des Phänomens Babiš

Kommentar von

Alexandra Mostyn

Andrej Babiš ist Oligarch, arbeitete für die tschechoslowakische Stasi und steht unter Betrugsverdacht. Gute PR machte ihn wählbar.

A ndrej Babiš ist ein Phänomen. Er stammt aus der einsti­gen kommunistischen Nomenklatu­ra und wurde ein undurchsichtiger Wendegewinner. Als hochgestellter Manager noch in der Tschechoslowakei hat der bauernschlaue Babiš schon lange verstanden, dass man als Unternehmer nur so weit kommt, wie man sich mit der Politik versteht. Mit seiner stürmischen ­Politkarriere hat er sich seine eigenen Pfründen gesichert. Laut dem US-amerikanischen Wirtschaftsmagazin ­Forbes hat sich Babiš’ Privatvermögen in den letzten vier Jahren verdoppelt.

Das wirklich Phänomenale an Andrej Babiš ist aber, dass er überhaupt gewählt wurde. Vor seinem Mitläufertum als IM Bureš bei der tschechoslowakischen Stasi kann man bestenfalls die Augen verschließen. Aber auch davor, dass Babiš seine politischen Gegner vulgär beschimpft und mithilfe der eigenen Medien zu diskreditieren plant? Davor, dass Babiš glaubt, über dem Gesetz zu stehen und sich öffentliche Gelder erschwindelt?

In seiner Amtszeit als Finanzminister wurden sechs Firmen, die seiner Holding ein Dorn im Auge waren, von der Steuerfahndung liquidiert. Warum gibt jeder dritte Bewohner eines Landes so einem freiwillig noch mehr Macht in die Hand?

Das Wahlergebnis

Im künftigen Parlament werden neun Parteien vertreten sein. Babis' Partei ANO kam nach Auszählung fast aller Stimmen auf 29,7 Prozent. Im Parlament dürfte sie damit 78 der 200 Sitze erringen. (afp)

Andrej Babiš ist ein perfektes Marketingprodukt, das perfekt zur Nachfrage passt. Mit dem Slogan „Ja, es wird besser“, erstürmte er die politische Bühne. Pünktlich zu einer Zeit, als Tschechien die Folgen der globalen Wirtschaftskrise abzuschütteln begann. Für den Rest sorgte die Marketingmaschinerie: Sie machte Babiš zum Messias des Aufschwungs. Zu einem neuzeitlichen Robin Hood, der den Armen gibt und die korrupten Reichen ihrer gerechten Strafe zuführt. Dass Babiš Wasser predigt und Wein trinkt, übersieht der Wähler dabei geflissentlich.

Die Enthüllungen seien nichts weiter als Schmutzkampagnen, beteuert Babiš immer wieder. Damit kommt er an, die Opferrolle passt zum messianischen Image. Armes Tschechien.

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Alexandra Mostyn Auslandskorrespondentin Tschechische Republik

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2 Kommentare

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  • Noch mehr von diesen Typen und Europa versingt wieder im Krieg...

    • @amigo:

      Ich finde, dass es ein sehr trauriger Tag für mein ehemaliges Heimatland "Tschechien" ist!!!! Ich kann es nicht fasssen, wie die Menschen so einen Typen wie "Andrej Babis" unterstützen oder wählen können. Was würde wohl "Vaclav Havel" zu dieser schrecklichen Entwicklung sagen? Ich bin jedenfalls entsetzt und befürchte auch weitere Unruhen/Spaltungen innerhalb Europas!!